„Neulateinischer Stadtspaziergang“ am 26. Jänner 2026 – Projekttag im Wintersemester 25

Klirrende Kälte, sich noch in ihren Hotels verkriechende Touristen und dann die ersten Sonnenstrahlen seit Tagen – beste Voraussetzungen für einen Stadtspaziergang der besonderen Art! Ein überschaubares, aber hochmotiviertes Grüppchen des Abendgymnasiums findet sich am blitzeblankgefegten und selten gähnend leeren Stephansplatz (zwei Tage davor fand die Amtseinführung des neuen Wiener Erzbischofes statt) ein, um die Wiener Innenstadt unter der Leitung von Frau Prof. Angellotti nach neulateinischen Inschriften zu durchforschen.

Nach einer kurzen Einführung zu den Besonderheiten der Inschriftensprache und den ersten Entdeckungen um und im Dom geht es auch schon los. Um die Erkenntnis reicher, was der Lichtbringer Phoebus Apollon mit dem Erfinder des Buchdruckes zu tun hat, muss auf dem Weg zur alten Universität auch schon das erste Chronogramm geknackt werden: Schnell wird das Wissen um die römischen Zahlzeichen aus Grundschultagen in Erinnerung gerufen und mit Fingern, Schreibgriffeln, Taschenrechnern und im Kopf die Buchstaben, die zugleich Zahlzeichen sind, eifrig zusammengezählt. Die Freude ist groß, als nach mehreren Versuchen alle auf dieselbe Jahreszahl kommen!

Nach der Entdeckung, dass die neuzeitlichen Herrscher immer noch die römischen Kaisertitel tragen, wandern punktgenau um 12h an den Augen der staunenden Studierenden alle 12 Figuren der berühmten Ankeruhr vorbei. Danach werden der Kaiser Marc Aurel gegrüßt und die Reste des Römerlagers Vindobona bewundert. Dass sich eine der größten österreichischen Versicherungen ein lateinisches Motto gibt, ist an ihrer Zentrale mehrfach sichtbar. Wenn aber sogar exklusive Innenstadtgeschäfte lateinische Namen tragen, muss man schon schmunzeln.

Unter der Schirmherrschaft des Hl. Petrus (Chronogramm und Attribute lassen die Gehirnzellen wieder warm werden) geht es – nun bereits mit klammen Fingern – zur Hauptfeuerwache, die doch nicht vom altrömischen Senat und Volk, sondern – wer hätte es gedacht – vom SPQV, dem Wiener Senat und Volk errichtet worden war. Mit der beeindruckenden Geschichte des vor einigen Jahren herabgestürzten Gebälks (samt lateinischer Inschrift) geht der zweistündige Spaziergang zu Ende.

Vieles bliebe noch zu entdecken! So kommt bereits der Wunsch nach einer Fortsetzung des Projekts auf – dies aber in der wärmeren Jahreszeit!