1. Mathematik ist wichtig.

Nein. Wie für alles im Leben gibt es Spezialist:innen. Für die anderen ist Mathe wie Musik. Nett, wenn es gut geht, aber wenn es einem nicht gefällt, schaltet man ab. Mathematik ist eine Beschreibung der Welt. Es gibt auch noch andere.

2.Mathematik muss man lernen. Man muss begabt sein.

Überhaupt nicht. Mathematik kann man lernen. Für jede:n gibt es eine passende Geschwindigkeit, Tiefe und Kommunikationsweise. Mathematik ist wie Malen. Das können Sie zu jedem Zeitpunkt, seit Ihrer Geburt. Es gibt weniger Naturbegabungen als man denkt. Gute Ergebnisse kommen, in dem man es gerne tut, nicht weil man muss.

3.Mathematik muss man können.

Nein. Man kann es können. Es ist dabei immer so, wie man es sich selbst vorstellt. Wenn es aber ein Zeugnis für bestimmte Fähigkeiten gibt, will man sich eventuell für dieses Zeugnis entscheiden. Sie können sich dann so lange mit Mathematik beschäftigen, bis sich Ihre Erwartungen mit denen der Schule treffen. Für einige Dinge brauchen Sie Mathematik – zum Beispiel für die Matura. Aber auch da: Ihre Entscheidung.

4.Besser ist mehr.

Nein. Besser ist anders. Wenn eine Vorgehensweise nicht funktioniert, dann liegt das eher an der Art, wie man sie betreibt. Einfach nur “mehr Zeit” ist selten eine Lösung. Ein bisschen besser organisiert zu sein, hilft oft viel mehr.

5.Mathematik löst Probleme.

Natürlich. Aber nur, wenn man welche hat. Mathematik ist eher eine Beschreibung der Umgebung. Nicht mit Pinsel oder Text, sondern mit Gedanken, wie man sie sortiert und verbindet. Beschreibungsaufgaben werden oft “Probleme” oder “Übungen” genannt. Wer sie löst, gestaltet sie so, dass sie jede:r versteht.

Tipps:

  1. Langsam schreiben, groß schreiben. Noch einmal schreiben. Gedanken notieren. Gefühle sind wertvolle Hinweise, dass etwas stimmt oder noch nicht.
  2. Eine Mappe, Geodreieck, Bleistift, Stift, Radiergummi und Spitzer. Immer dabei.
  3. Benachrichtigungen beim Mobiltelefon aus. Sichert Konzentrationstiefe.
  4. Reden, reden, reden. Gerne auch mit der Sprachfunktion von ChatGPT 4.
  5. Gestalten, anstupsen, bremsen. Sich einbringen. Einen Namen machen. Mit dem Kopf wackeln, lachen, weinen. Alles, was Sie bemerkbar macht, ist gut.
  6. Miteinander ist in bestimmten Phasen besser als alleine.
  7. Regelmäßig wenig ist besser als viel in großen Abständen. Falls es um Unterricht geht: pünktlich zu beginnen, hilft. Das Wichtige kommt oft ganz vorne am Anfang.
  8. Fehler sind beim Lernen extrem wichtig. Sie zu lieben ist eine Kunst. Holen Sie sich Feedback zu Ihren Fehlern und bewahren Sie die besten Fehler auf.
  9. Fehler sind beim Test extrem blöd. Sie in der Vorbereitung zu machen, ist eine Kunst.
  10. Seien Sie lieb zu sich selbst. Sie sind weder blöd, noch faul, noch unbegabt, wenn mal etwas nicht so klappt, wie es sein soll. Sie lernen trotzdem immer. Manchmal eben so, wie wenn man eine Parfumerie betritt und sie wieder verlässt, ohne etwas zu kaufen. Ein schöner Duft bleibt trotzdem hängen.

Und wie ist es bei Ihnen? Erzählen Sie mir gerne im Unterricht davon.








 ✑ Beitrag von …
  • Lothar Bodingbauer

    Unterrichtet Physik und Mathematik. Kümmert sich um die Homepage und privat um Bienen. Erfahrungen als Radiojournalist und Podcaster. Seine Schwerpunkte sind Wissenschaft, Leben, Sozialpolitik. Hobbys: Botanik, Stricken und Reisen. Mag nicht so gerne: Tennis und Plastik. Mag besonders Hunde, chinesischen Tee und Alpacas.