Flucht im Alter von 11 Jahren, Ankunft in einem fremden Land. An der Erstsprache und der Kultur der Stadt, „in der ich nicht bleiben durfte, die vielleicht meine Heimat war“, festhalten oder binnen weniger Monate das Neue annehmen?

oe1Hörtipp: ORF Radio Österreich 1, 26. Mai, 22:05 – 24:00. Link: Programmankündiung – 7 Tage Online

Dem in Wien am 26. Mai 1926 als Sohn des Gründers des Wiener Phaidon-Verlags geborenen Joseph Horovitz gelang im März 1938 gerade noch die Flucht vor den Nationalsozialisten nach Großbritannien. Brite, Österreicher, Wiener? „Ich bin Brite. Vienna-born, British-bred. So stimmt es.“ 2007 erhielt er das Österreichische Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst erster Klasse.

Links: Joseph Horovitz (WP) | Phaidon

 


 

Hinweis der Webredaktion: Die Sendung wurde von Peter Kislinger gestaltet, der auch am Abendgymnasium Wien Erwachsene unterrichtet.

 

Ich habe ihn vor drei Wochen in London in seinem Haus in Notting Hill Gate getroffen und vier Stunden mit ihm gesprochen. 114 Minuten aus diesem Gespräch sind am Donnerstag von 22:05 bis 23:59 zu hören.

Dem 1926 in Wien als Sohn des Gründers des Wiener Phaidon-Verlags Geborenen gelang im März 1938 die lebensrettende Flucht vor den Nationalsozialisten nach England. Studiert hat Joseph Horovitz in Oxford Musik u. a. bei Egon Wellesz, und lebende Sprachen, dann am Royal College of Music in London und in Paris bei Nadia Boulanger.

Wien, wo er das Akademische Gymnasium besuchte und im Stadtpark Fußball spielte, bezeichnet der Komponist, der immer noch am Royal College of Music seine Professur für Komposition wahrnimmt, als „Fremdstadt, die ich gut kenne. Wien ist schön … in meinen Gedanken – aber Heimat kann es nicht sein, weil sie es nicht ist.“

Er war Dirigent der Ballets Russes und in Glyndbourne, hat mit Musikkomödianten-Titanen wie Gerard Hoffnung und Michael Flanders zusammengearbeitet, war Composer-in-Residence beim Tanglewood Summer Festival; er ist Komponist von 16 Balletten, neun Instrumentalkonzerten, zwei einaktigen Opern, hat Standardwerke für sinfonisches Blasorchester und Chor-Kantaten geschrieben, darunter seinen Welterfolg „Captain Noah“, Kammermusik, die Sonatine für Klarinette etwa und, sein vielleicht bestes und berührendstes Werk, das 5. Streichquartett, eine originelle Auseinandersetzung mit der Vertreibung aus Wien, jener Stadt „in der ich nicht bleiben durfte, die vielleicht meine Heimat war.“

Brite, Österreicher, Wiener? „Ich bin Brite. Vienna-born, British-bred.“ 2007 erhielt er as Österreichische Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst erster Klasse.

Er schreibe „hörbare Musik“, wie er mit unverkennbarem Wiener Tonfall und (Parkring-) Vokalfärbung sagt, „eigentlich nur Musik, die ich persönlich hören möchte. Ich schreibe immer das, was es im Moment nicht gibt.“

— Peter Kislinger