Fotos: Ivana Slobodanac

 

 

Die Führung durch die Anlage „Am Steinhof“ begann mit einer Fülle von Informationen zum „Sozialmedizinischen Zentrum Baumgartner Höhe / Otto-Wagner-Spital“, das von einem der bedeutendsten Architekten des Wiener Jugendstils geplant wurde.

Ein historischer Abriss zur Behandlung psychisch Kranker wies auf früher gängige Bezeichnungen wie „Irre“ und „Narren“ („Narrenturm“) hin, wobei aber gerade in Wien ein innovativer Ansatz zur Behandlung der Patientinnen und Patienten umgesetzt wurde. Wien war – bis 1938 – international führend, was Psychologie und Psychoanalyse betraf (Sigmund Freud, Alfred Adler etc).

Wir besichtigten das Jugendstiltheater, das trotz seiner Renovierungsbedürftigkeit einen großartigen Eindruck hinterließ. Der Besuch von Aufführungen war offenbar Teil der Therapie, wobei die Stücke danach ausgesucht wurden, die Kranken nicht unnötig zu „erregen“.

Die Otto-Wagner-Kirche hat ihre Renovierung schon hinter sich. Die Kirche ist nicht nur atemberaubend schön; sie ist auch ganz darauf ausgerichtet, in praktischer Hinsicht den Bedürfnissen kranker Menschen entgegenzukommen, was uns anhand mehrerer Beispiele erklärt wurde. So entsprechen die Marmorwände nicht nur einem ästhetischen Empfinden; sie lassen sich auch leicht reinigen. Insgesamt ein großartiges, bis ins kleinste Detail durchdachtes Konzept! Wir saßen – in Decken gehüllt – in der kalten Kirche und lauschten fasziniert unserem kenntnisreichen Guide.

Abschließend hatten wir die Gelegenheit, die Gedenkstätte „Zur Geschichte der NS-Medizin in Wien – Spiegelgrund“ zu besichtigen. Am Spiegelgrund wurden zwischen 1938 und 1945 geistig und körperlich behinderte Kinder für medizinische Experimente missbraucht und grausam misshandelt. Viele von ihnen starben qualvoll. Am Ende des Projekts stand also die Konfrontation mit menschlichen Abgründen, der Euthanasie.