Geografie

Am Abendgymnasium Wien wird das Fach Geografie und Wirtschaftskunde nach den Lehrplänen der AHS für Berufstätige unterrichtet. Einen Auszug für das Fach Geografie und Wirtschaftskunde finden Sie hier:

Bildungs- und Lehraufgabe:

Der Geographie- und Wirtschaftskundeunterricht soll Motive und Auswirkungen, Regelhaftigkeiten und Probleme menschlichen Handelns in den eng miteinander verflochtenen Aktionsbereichen „Gesellschaft, Wirtschaft und Raum“ sichtbar und unter dem Gesichtspunkt der Politischen Bildung verständlich machen. Der Fachunterricht soll sich verstärkt folgenden Werten verpflichtet fühlen: einer menschenwürdigen Gesellschaft, einer nachhaltigen Wirtschaft und einer intakten Umwelt.

Neben diesen allgemeinen Bildungsaufgaben zielt der Unterricht aus Geographie und Wirtschaftskunde auf drei methodische sowie drei fachspezifische Kompetenzen ab, denen besondere Lehraufgaben zugeordnet sind:

Methodenkompetenz

  • –  geographisch–wirtschaftskundliche Informationen gewinnen, analysieren und interpretieren

    können

  • –  Nutzung und Auswertung von Karten, Weltraumbildern und räumlichen Informationssystemen

    Orientierungskompetenz
    -Entwicklung der Fähigkeit, erworbenes Wissen und gewonnene Einsichten im privaten,

    beruflichen und öffentlichen Leben bei wirtschaftlichen, politischen und räumlichen

    Entscheidungen anzuwenden
    – V erdichtung und Sicherung eines weltweiten topographischen Rasters um raumbezogene

    Informationen selbstständig einordnen zu können

    Synthesekompetenz

  • –  Einsicht in das Wirkungsgefüge und die Dynamik der Gesellschaft, der Wirtschaft und des

    Raumes sowie in die zugrunde liegenden Machtstrukturen vermitteln

  • –  die räumlichen Gegebenheiten und deren Nutzung sowie die Regelhaftigkeiten menschlichen

    Verhaltens in Gesellschaft, Wirtschaft und Raum aufzeigen

  • –  die Komplexität von Beziehungsgeflechten zwischen Human- und Naturfaktoren erkennen und

    zu den Auswirkungen menschlicher Eingriffe Stellung nehmen können

  • –  Gesellschaft, Wirtschaft und Raum auch fächerübergreifend mit benachbarten sozial- und

    naturwissenschaftlichen Disziplinen betrachten können

    Gesellschaftskompetenz

    • –  Motivation zur persönlichen Auseinandersetzung mit lokalen, regionalen, europäischen und

      globalen Fragestellungen

    • –  die Fähigkeit erweitern, die von den Massenmedien verbreiteten politischen, wirtschaftlichen und

      gesellschaftlichen Informationen über Österreich, Europa und die Welt kritisch zu beurteilen

    • –  Aspekte geschlechtsspezifischer Unterschiede in verschiedenen sozioökonomischen Systemen

      analysieren
      -die persönliche Rolle als Konsumentin bzw. Konsument kritisch durchleuchten und die

      volkswirtschaftliche Bedeutung des Konsumverhaltens erkennen

      Wirtschaftskompetenz

      • –  Einsicht in den Wandel der Produktionsprozesse und Verständnis für Veränderungen der Arbeits-

        und Berufswelt unter dem Einfluss wachsender Technisierung und Globalisierung

      • –  V erständnis grundlegender Zusammenhänge in betriebs-, volks- und weltwirtschaftlichen

        Bereichen sowie Kenntnis gesamtwirtschaftlicher Gesetzmäßigkeiten, Strukturen und Probleme

      • –  Wirtschaftspolitik als wesentlichen Bestandteil der Politik erkennen, ihre Modelle und deren

        reale Umsetzung in unterschiedlichen Systemen einschätzen können

        Umweltkompetenz

      • –  Verantwortung für die „eine Welt“ erkennen und übernehmen
      • –  Landschaften als Lebensräume ökonomisch und ökologisch einschätzen; Interessensgegensätze bei der Nutzung von Räumen erkennen und somit auch die Notwendigkeit von Raumordnungsmaßnahmen begründen
      • –  die Bedeutung der Wahrnehmung und Bewertung von Umwelt im weitesten Sinn für das menschliche Handeln erkennen

Didaktische Grundsätze:

Die im Abschnitt Lehrstoff formulierten Lernziele und Themenbereiche umschreiben jene Kenntnisse und Einsichten, die zum Erwerb der in der Bildungs- und Lehraufgabe angeführten Kompetenzen durch die Studierenden führen sollen.

Aus den Zielstellungen haben die Lehrerinnen und Lehrer die Lerninhalte eigenverantwortlich und begründet abzuleiten. Dabei sind folgende Kriterien zu beachten: Klassensituation, der aktuelle Bezug, die exemplarische Bedeutung, die Transferfähigkeit, die fächerübergreifenden Aspekte.

Die Themen sind einheitlich für alle Semester durchstrukturiert. Das jeweils erste Thema bietet einen allgemeinen Einstieg in die Problematik der Raumstrukturierung. Es folgen Themen die den Kompetenzbereichen Gesellschaft – Wirtschaft – Umwelt zugeordnet werden können.

Das intensive Befassen mit den Inhalten der einzelnen Themen und die Sicherung eines ständigen Lernprozesses sind dem bloßen Wissenserwerb vorzuziehen.

Besonderes Augenmerk ist auf das aktive Einbringen von Vorwissen und Berufserfahrung der Erwachsenen zu legen. Dabei sind neben traditionellen geographischen Arbeitsformen insbesondere die Möglichkeiten der IKT zur Gewinnung sowie Verarbeitung und Darstellung geographischer und wirtschaftskundlicher Informationen zu nutzen. Methoden zur Aneignung neuen Wissens und Könnens sind zu entwickeln. Das selbstständige Erkennen von Problemen und das Finden von Wegen zu ihrer Lösung sind zu üben. Modell- und Theoriebildung sind als Hilfe bei der Bewältigung der Informationsfülle zu nutzen. Daher kommt Fallstudien und projektartigen Unterrichtsverfahren bzw. fächerübergreifenden Projekten in jedem Semester besondere Bedeutung zu.

Lehrstoff:

1. und 2. Semester

Bevölkerung und Gesellschaft
– die Dynamik der Weltbevölkerung unter Bezugnahme auf das Modell des demographischen

Überganges analysieren und ihre heutige und die mögliche zukünftige Verteilung erläutern

-Ursachen und Auswirkungen der räumlichen und sozialen Mobilität in verschiedenen Gesellschaften erkennen

Demographische Entwicklung und gesellschaftspolitische Implikationen am Beispiel Österreich
-die Entwicklung der österreichischen Bevölkerung (zeitliche und räumliche Dimension)

darstellen können sowie mögliche Folgen ableiten und beurteilen

  • –  die Lebenssituation ausgewählter Bevölkerungsgruppen vor dem Hintergrund des Phänomens „Fremdsein“ analysieren und bewerten können
  • –  die gesellschaftspolitischen Herausforderungen einer alternden und multikulturellen Gesellschaft erfassen

    Die Menschen und ihre wirtschaftlichen Bedürfnisse
    -die Bedeutung der Märkte und der Preisbildung für die Verteilung knapper Güter und

    grenzenloser Bedürfnisse erkennen

    – wirtschaftliche Ungleichheiten auf der Erde anhand der Verfügbarkeit an Produktionsfaktoren (Boden, Arbeit, Kapital, Humanressourcen) sowie politischen Handelns erklären

    Nutzungskonflikte an regionalen Beispielen
    -regionale Konflikte über die Verfügbarkeit von knappen Ressourcen (Boden, Wasser,

    Bodenschätze usw.) und dahinter stehende politische Interessen erklären

    -Erfassen, wie sich Naturereignisse aufgrund des sozialen und ökonomischen Gefüges unterschiedlich auswirken

    Landschaftsökologische Zonen der Erde

    • –  Wechselwirkung von Relief, Klima, Boden, Wasser und Vegetation verstehen
    • –  Klimadaten in Diagramme umsetzen und daraus eine Klimagliederung der Erde ableiten
    • –  den globalen Klimawandel in seinen möglichen Auswirkungen auf Lebenssituationen und

      Wirtschaft charakterisieren

      Produktionsgebiete im Wandel – Außerwert- und Inwertsetzung als sozioökonomische Problemstellungen

      – die Abhängigkeit landwirtschaftlicher Nutzung vom Naturraumpotential und den agrarsozialen Verhältnissen erkennen

– die Eignung von Naturräumen für die Tourismusentwicklung sowie die Folgen der Erschließung vergleichend bewerten

Naturräumliche Chancen und Risken am Beispiel Österreich

  • –  geoökologische Faktoren und Prozesse am Beispiel eines alpinen sowie eines außeralpinen

    österreichischen Landschaftsraumes aufzeigen und in ihrem Zusammenwirken erklären

  • –  die naturräumlichen Gegebenheiten als Ansatzpunkt für die Regionalentwicklung bewerten
  • –  naturräumliche V oraussetzungen sowie wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche

    Interessen als Ursachen ökologischer Probleme erkennen

  • –  Bereitschaft entwickeln für einen sorgsamen Umgang mit den knappen Ressourcen Luft, Wasser

    und Boden

Städte als Lebensräume und ökonomische Zentren

  • –  den Prozess der Verstädterung und dessen wichtigste Ursachen verstehen
  • –  Erfassen der Bedeutung von Metropolen als Steuerungszentren der Wirtschaft und als Orte der sozialen Differenzen
  • –  die Vielfalt der lebensräumlichen Wirklichkeiten der Stadt vergleichen
  • –  Umweltprobleme expandierender Stadtregionen erkennen

    Konvergenzen und Divergenzen europäischer Gesellschaften

    • –  die europäische Dimension für die Gesellschaftsentwicklung erfassen und die Chancen für die

      eigene Lebens- und Berufsplanung erkennen

    • –  Erkennen, dass sich Europa zum Einwanderungskontinent entwickelt hat

      Wettbewerbspolitik und Regionalpolitik in Europa

    • –  Einsichten in die Maßnahmen und Auswirkungen der Verkehrs- und Wirtschaftspolitik der

      Europäischen Union gewinnen; deren Träger, Instrumente und Funktionsweise kennen lernen

      und kritisch bewerten

    • –  regionale Disparitäten an ausgewählten Staaten und überstaatlichen Gebilden erkennen und

      analysieren sowie die Bedeutung der Regionalpolitik für den Abbau derselben erfassen

      Wirtschaftsstandort Österreich
      -die Vor- und Nachteile des Wirtschaftsstandortes Österreich aus unterschiedlicher Sicht

      erarbeiten und mit anderen Staaten vergleichen

    • –  die Entstehung regionaler Disparitäten erklären und die sich daraus ergebenden Auswirkungen

      auf das Alltagsleben und die Wirtschaft erläutern

    • –  außenwirtschaftliche Verknüpfungen im Zuge der EU-Mitgliedschaft bzw. des

      Globalisierungsprozesses erkennen und analysieren

      Gesamtwirtschaftliche Leistungen und Probleme – Wirtschafts- und Sozialpolitik

      • –  aus dem Magischen Vieleck Zielkonflikte der Wirtschaftspolitik ableiten und unterschiedliche

        Positionen formulieren

      • –  die Besonderheiten der österreichischen Wirtschafts- und Sozialpolitik erfassen

        -anhand des Budgets wirtschafts- und sozialpolitische Absichten sowie Maßnahmen der Bundesregierung besprechen und analysieren

        – das Zustandekommen wichtiger wirtschaftlicher Daten kennen lernen und deren Aussagekraft beurteilen

        Globalisierung – Chancen und Gefahren

      • –  die Prozesse der Globalisierung und ihre unterschiedlichen Interpretationen erkennen und

        bewerten

      • –  lokale Betroffenheit durch globale Probleme erkennen und Verantwortungsbewusstsein für die gesamte Erde entwickeln

        Politische und ökonomische Systeme im Vergleich

        • –  Ursachen und Auswirkungen sozialer und ökonomischer Disparitäten auf globaler Ebene

          beurteilen und Möglichkeiten von Verbesserungen durch Entwicklungszusammenarbeit

          diskutieren

        • –  die Asymmetrie zwischen der ökonomischen Macht auf der einen Seite und den sozialen und

          politischen Interessen auf der anderen Seite erkennen

        • –  Zusammenschlüsse auf wirtschaftlicher und politischer Ebene vergleichen

Politische Gestaltung von Räumen

  • –  die Raumordnung als gestalterisches Element auf kommunalpolitischer Ebene kennen lernen und

    ihre Auswirkungen beurteilen

  • –  Erfassen wie durch Zuweisung von Symbolen und Images neue Räume geschaffen und wie

    dadurch die Raumwahrnehmung sowie räumliche Identität nachhaltig verändert wird

    Geopolitische Gliederungen und Strukturierungen
    – die unterschiedliche Qualität der politischen Grenzen Österreichs seit dem 20. Jahrhundert in

    ihrer Wirkung auf Verkehr, Wirtschaft und Migration erfassen
    -Möglichkeiten für grenzüberschreitende Regionalentwicklung unter dem Einfluss der

    europäischen Integration erkennen

    • –  unterschiedliche Gliederungskonzepte Europas und der Erde nach naturräumlichen, kulturellen,

      politischen und ökonomischen Merkmalen begreifen; Erfassen des Europa-Begriffes

    • –  die wichtigsten räumlichen und ökonomischen Auswirkungen des Integrationsprozesses der

      Europäischen Union kennen

    • –  Einsicht gewinnen, dass Gliederungen immer einem bestimmten Zwecken dienen, dass Grenzen

      Übergangszonen und die so abgegrenzten Gebiete meist nicht einheitlich sind

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