Bildschirmfoto 2015-06-20 um 07.08.17Am Abendgymnasium Wien finden in den letzten Schulwochen sehr viele mündliche Maturaprüfungen statt. Die Einteilung der Prüfung kann sich immer auch etwas verschieben. Die Frage war, wie können wir den Studierenden und beteiligten Lehrer/innen in Echtzeit vermitteln, wer gerade dran ist, um lange Wartezeiten zu vermeiden?

Die Antwort ist: Twitter. Mit dem Account @agwienmatura können beliebig viele Lehrer/innen am grünen Tisch der Matura einloggen und das in 140 Zeichen fassen, was sie sehen. Welche Nummer wird wann ausgegeben. Der Twitter Stream kann auf die Homepage eingebettet werden, ist für jeden außenstehenden lesbar ohne Login und man kann die Timeline abonnieren, wenn man selbst Twitter verwendet. Kein anderes System hätte das so elegant geschafft.

Schnell haben wir bemerkt, dass es besser lesbar wird, wenn dann und wann etwas Nettes, Bemerkenswertes auch getwittert wird. Nicht nur Nummern und Uhrzeiten. Das haben wir getan und wir bewegten uns damit als Schule plötzlich in einer einsehbaren Öffentlichkeit.

Das genau haben uns Medien voraus. Sie beherrschen den Mechanismus Twitter bereits, wo wir erst Erfahrungen sammeln. Genau das haben wir getan. Wir bemerkten, dass man als twitternder Lehrer die Schule repräsentiert, no na. Wenn aber mehrere Lehrer/innen einen Account befüllen, gibt es unterschiedliche Stile, auch gut. Dann und wann kann dabei auch etwas missverstanden werden. Hier beginnt das Risiko, aber auch der Lerneffekt.

So gut es geht, versuchen wir, ein spannendes Bild der Matura zu vermitteln. Es sind ja auch wirklich viele Menschen beteiligt, auf allen Seiten, die sich Mühe geben. Sehr viele Prüfungen sind wirklich interessant. Einige nicht. Natürlich haben wir Zwischenfälle nicht getwittert. Nie wird etwas von Personen erzählt, die geprüft werden, nie von Lehrer/innen die prüfen. Aber wir haben auch nicht hinter den Berg gehalten, wenn etwas kurios anders lief.

Medien stürzen sich auf Zwischenfälle heißt es. Mit dem Twitterstream einer Schule könnten solche Zwischenfälle öffentlich werden, gerade jetzt, wo die Matura in einem heißen Umbruch steht. Man muss aufpassen, heißt es. Und das stimmt. Schnell gibt es dann aber auch eine Schere im Kopf, die verhindert, dass man mitteilt, was eine Schule eigentlich macht. Zum Beispiel prüfen. Maturaprüfungen sind öffentlich, und ja, warum nicht auch ein öffentlich wirksames Medium wie Twitter nutzen, um davon zu erzählen.

Irgendwann müssen wir nämlich auch beginnen, den Mechanismus von Twitter zu verstehen. Wir sind eine Schule, die gesellschaftliche Werkzeuge auch vermitteln soll, und da müssen wir selbst hineinsteigen, und es lernen, auch wenn es vielleicht potenziell eventuell in geringem Maße ein Fettnäpfchen gibt, das man – elegant umschifft. Hoffentlich.

Die Alternative wäre nämlich, nichts zu tun. Dann haben wir aber auch nicht die Zeiten und Termine veröffentlicht, was wir eigentlich wollten. Und das wäre schade.

Kurzgefasst: Warum Twitter

  1. Chronologische Timeline. Neueste Meldung oben.
  2. Mehrere Personen befüllen ein Account, der Einzelne ist dabei unwichtig
  3. Leichtes Einbetten in die Homepage, immer aktuell
  4. Inhalte direkt an die Zielgruppe bringen, Stream kann abonniert werden
  5. Twitterstream ist öffentlich, die Schule wird transparenter
  6. Lerneffekte, auch Schule muss „Twitter können“ – die Polizei Berlin tat es auch.

Kurzgefasst: Risiko Twitter

  1. Etwas wird missverstanden. Das kann – auch in Echtzeit – echte Probleme geben
  2. Deshalb aktiviert man eine Schere im Kopf
  3. Vorgesetzte werden eventuell nervös, wer trägt die Verantwortung?
  4. Jeder kann es potenziell sehen
  5. Nicht immer geklärter Abgleich der Beteiligten
  6. Unterschiedliche Stile und Sichtweisen

Hier noch einmal unser Maturastream zum Nachlesen.