Recht als Fach am Abendgymnasium Wien

Seit dem Schuljahr 2017/18 gibt es am Bundesgymnasium, Bundesrealgymnasium und Wirtschaftskundlichen Realgymnasium für Berufstätige (kurz: „Abendgymnasium Wien“) ein System aus zwei von der Österreichischen Gesellschaft für Rechtslinguistik (ÖGRL) begleiteten Fächern, welche dem großen Interesse der Studierenden an rechtsdogmatischen, rechtslinguistischen und rechtsphilosophischen Themen Rechnung tragen bzw. eine Vertiefung bereits erworbenen Wissens ermöglichen sollen.

Es handelt sich hierbei einerseits um das Fach Recht und Gerechtigkeit, das bisher von Daniel Leisser und Anna Heidlmair unterrichtet wurde, und andererseits um das im kommenden Semester angebotenen Fach Recht und Sprache. Das letztere der beiden Fächer wurde von Harald Mang und Daniel Leisser in Kooperation mit einem Praxisforschungsseminar der Universität Wien als Schulentwicklungsprojekt konzeptioniert. Gemäß § 2 Schulorganisationsgesetz hat die österreichische Schule „die Jugend mit dem für das Leben und den künftigen Beruf erforderlichen Wissen und Können auszustatten und zum selbsttätigen Bildungserwerb zu erziehen“. Dabei stellt sich die Frage, welchen Beitrag rechtswissenschaftlich orientierte Fächer bei diesem Bildungsziel leisten können bzw. leisten sollen. Wie sollen Ethik und Moral im rechtswissenschaftlichen Studium Beachtung finden und welchen Wert sollen zukünftige Studierende der Rechtswissenschaften diesen abstrakten Kategorien beimessen?

 

Recht ist ein Schild und kein Schwert

Nachdem bereits einige Studierende berichtet haben, dass sie sich für ein Studium der Rechtswissenschaften interessieren bzw. bereits dafür inskribiert sind, scheint es angemessen, hier einen Gedankenanstoß für den Weg durchs rechtswissenschaftliche Studium darzulegen. Zwar ist dieser vom common law geprägt, aber er könnte eventuell für jeden Studienanfänger von Nutzen sein.

Capozzi schreibt in seiner Einführung zu Law School in Plain English (2014):

If you are to succeed as a law student, and eventually as a lawyer, you must change the way you think. For the most part, this change comes automatically as a natural reaction to studying the law. This change does not happen overnight. The process is not a sprint; it is not quite a marathon. There is no start and finish line. The goal is to learn how to critically think – to think like a lawyer. Gradually, you will no longer see black and white. No clear right, no clear wrong. Opinions once solidified deep within your persona will change. Grey becomes your new colour and you wear it proudly. You will no longer watch a political debate, at least not in the same way you once did, because all you will see and hear is, well, nothing. No argument made to you will be free from your counter-argument. Suddenly you react more quickly. You can now think of a point to make in the future while making a current point. There is always a hole, always a fallacy, always a chink in the armor of another’s argument. You must be careful with this new mind of yours. Its power can have serious repercussions. You must pledge not to use this weaponry on loved ones or helpless souls. For if you do, conflict is sure to erupt. At its most grandiose misuse, terrible social injustices can and will occur.

Lehrer_innen und Jurist_innen kommen nicht um die Gerechtigkeit umhin, welche Gestalt aber die Gerechtigkeit annehmen soll, ist und bleibt oftmals eine Gewissensfrage.