Die 11. Modell UNO Wien fand von 25. bis 27. Februar 2020 statt. Es freut uns besonders, dass dieses Jahr auch Studierende des Abendgymnasiums Wien unter den Deligierten vertreten waren: Alexander Baron, Jacqueline Köstner, Pablo Wenninger und Afra Monroig.

Unser besonderer Dank gilt Herrn Mag. Florian Riepl, der als Generalsekretär maßgeblich an der Organisation dieses großartigen Projekts beteiligt war.

Was ist die Modell UNO?

Nach Vorbild ähnlicher Initiativen, die seit vielen Jahren in aller Welt erfolgreich veranstaltet werden, findet jedes Jahr die SchülerInnenkonferenz „Model United Nations Wien” (MUNW) in Wien statt. Die “Model United Nations Wien” ist eine vorrangig deutschsprachige Konferenz für etwa 130 SchülerInnen der 10 bis 13. Schulstufe von AHS und BHS, die in einem Planspiel Verhandlungen der Vereinten Nationen simulieren. Weitere Information zu diesem Projekt finden Sie hier.

MUNW 2020 Eröffnungsvideo

Themen 2020

  1. Ressourcenkonflikt – Das Recht den Planeten zu retten (Ecosoc)
  2. Globale Ernährung – Essen ist fertig? (WFP)
  3. Tierversuche – des einen Freud des anderen Leid? (AWC)
  4. Piraterie (IMO)
  5. Digitale Kriegsführung (ITU)
  6. Myanmar (UNHCR)
  7. Genmanipulation (WHO)
  8. Weltraummüll – Eine Mülldeponie über unseren Köpfen? (COPUOS)
  9. Aktuelles Thema (CSC)

1 Ressourcenkonflikt – Das Recht den Planeten zu retten (Ecosoc)

Chairs: Christian Dohlhofer, Caroline Thüring, Julia Leder

Während erneuerbare Ressourcen, wie etwa Wind oder Holz, ,,nachwachsen‘‘, sind Bodenschätze und fossile Brennstoffe, also nicht erneuerbare Ressourcen, nicht bis in alle Ewigkeiten abbaubar. Ein großes Problem für die Weltbevölkerung stellt jedoch nicht nur die Erdölknappheit dar, denn es wird sich auch die Nachfrage nach anderen Rohstoffen deutlich erhöhen und zwar vornehmlich durch technologische Entwicklungen der Zukunft.

In der Automobilbranche sind begehrte Rohstoffe Lithium, Nickel, Kobalt und andere Mineralien, da sie unverzichtbare Komponenten für die Herstellung von Elektrofahrzeugbatterien darstellen. Diese Rohstoffe werden weder nachhaltig gewonnen, noch ist der Umgang mit ihnen sparsam. Ein weltweites Bevölkerungswachstum bedingt einen stetig wachsenden Bedarf an Rohstoffen. Schon jetzt ist der Bedarf an natürlichen Ressourcen nicht gedeckt.

Laut Erdölexperten wird die globale Erdölförderung bis Mitte des 21. Jahrhunderts auf ein Niveau absinken, welches es bestenfalls nur noch der Hälfte der Weltbevölkerung erlaubt, sich ihren derzeitigen Lebensstil zu leisten.

Die Rohstoffknappheit ist aber bei Weitem nicht das einzige Problem bei der Ressourcengewinnung. In ökologischer Hinsicht stellt der Rohstoffabbau oft eine Katastrophe dar, da es zu Trinkwasser- und Luftverschmutzung kommen kann, die beide zu einem enormen gesundheitlichen Risiko für die Einwohner betroffener Gebiete werden. Auch werden zunehmend ethische Grundsätze und Menschenrechte verletzt, da Arbeiter unter schlechten Arbeitsbedingungen leiden oder gar Kinderarbeit gefördert wird.

Sowohl die Gewinnung nichtregenerativer Rohstoffe als auch deren Weiterverarbeitung ist energieintensiv. Um Produktionsflächen zu schaffen, werden manchmal ganze Ökosysteme zerstört. Zudem ist die Schadstoffemission bei der Gewinnung und der Weiterverarbeitung der Rohstoffe einer der Hauptgründe für den Klimawandel.

Es ist höchste Zeit, mit den Schätzen unserer Erde sorgfältiger umzugehen und bessere Recyclingmethoden zu entwickeln. Fossile Energiequellen werden uns bald nicht mehr zur Verfügung stehen, also sollte der Fokus auf erneuerbare und nachhaltige Energie gesetzt werden. Wie kann  dies gewährleistet werden? Welche Maßnahmen müsste jedes Land ergreifen, um nichtregenerative Rohstoffe zu  schützen und die Umstellung auf Nachhaltigkeit  in Angriff zu nehmen?

Komiteemitglieder: Australien, Bulgarien, Chile, Indien, Iran, Kiribati, Demokratische Republik Kongo, Kuba, Kuwait, Libanon, Liechtenstein, Slowenien, Südafrika, Vereinigtes Königreich Großbritannien und Nordirland

Unabhängiger Beobachter: Global2000

Hilfreiche Quellen:

https://www.ripleybelieves.com/oecd-leading-countries-in-recycling-6807

https://www.umweltnetz-schweiz.ch/themen/ressourcen/2981-die-erde-verliert-ihre-bodenschaetze.html

https://ecomento.de/2016/07/21/diese-rohstoffe-koennten-in-zukunft-knapp-werden/

https://www.derstandard.at/story/2000102430552/tesla-warnt-rohstoffe-fuer-batterien-werden-knapp

https://www.umweltbundesamt.de/themen/abfall-ressourcen/ressourcennutzung-ihre-folgen

https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/1968/publikationen/uba_broschuere_urbanmining_rz_screen_0.pdf

https://www.youtube.com/watch?v=cM3w7kUvhZs

https://www.youtube.com/watch?v=RnvCbquYeIM

2 Globale Ernährung – Essen ist fertig? (WFP)

Chairs: Esali Eteme, Nina Niederleithner

Jeder Mensch hat das Recht, frei von Hunger zu sein. Dieser Grundsatz geht auf die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte von 1948 zurück. Diese ist eines von zehn Zielen der Sustainable Development Goals der UN, die bis 2030 erreicht werden sollen.

Laut Welthunger-Index (WHI, 2018), sind Hunger und Unterernährung zwar seit dem Jahr 2000 Großteils zurückgegangen, jedoch stagniert aktuell diese positive Entwicklung oder hat sich sogar in einigen Teilen der Erde umgekehrt. Gründe dafür sind vor allem politische Krisen und Konflikte. Aber auch das Bevölkerungswachstum, Naturkatastrophen und der Klimawandel, sowie eine generelle globale Ressourcenknappheit stellen die Welt vor die große Herausforderung, ausreichend Nahrungsmittel zu produzieren.

Durch das Bevölkerungswachstum sowie die sich ändernden Essgewohnheiten in Schwellen- und Entwicklungsländern, wie der vermehrte Verbrauch von Fleisch und Milchprodukten, wird die globale Nahrungsmittelnachfrage noch erhöht. Die Fleischproduktion hat sich in den letzten 50 Jahren vervierfacht. Für den Anbau von Tiernahrung benötigt man große Äcker und Weideflächen, weshalb Wälder, wie beispielsweiße der Regenwald in Brasilien, laufend gerodet werden. Anbauprodukte wie Mais und Soja werden wiederum in Industrieländer, wie zum Beispiel Deutschland exportiert, und an das dortige Weidevieh verfüttert.

Ein weiteres Problem ist, dass bereits ein Drittel der globalen Ackerfläche mittelgradig bis stark degradiert ist, was nicht zuletzt auf intensive Bewirtschaftungsmethoden zurückzuführen ist, mit denen maximale Erträge erzielt werden sollen. Hinzu kommt, dass heutzutage so viele Lebensmittel wie noch nie produziert und verschwendet werden.

Um die Ernährungslage der Welt langfristig zu sichern, ist es notwendig, mit Ressourcen wie Boden, Biodiversität und Süßwasser effizient umzugehen und sie zu schützen sowie die nachhaltige Nutzung von Nahrungsmitteln zu sichern. Zusätzlich muss ein ganzjähriger Zugang zu ausreichenden und nährstoffreichen Nahrungsmitteln gegeben sein, insbesondere für Menschen in Krisengebieten.

Das generelle Ziel der UN ist es, den Hunger zu beenden und eine bessere Ernährung und vor allem Ernährungssicherheit für alle Menschen zu gewährleisten.

Um diese Punkte zu ermöglichen, müssen jedoch gezielte Maßnahmen auf globaler Ebene entwickelt und umgesetzt werden, die eine faire und nachhaltige Nahrungsproduktion und Nahrungsmittelverteilung gewährleisten.

Komiteemitglieder: Afghanistan, Ägypten, Angola, Argentinien, Brasilien, Deutschland, Kambodscha, Katar, Madagaskar, Mexiko, Ruanda, Sudan, Ungarn, Venezuela, Vietnam

Unabhängiger Beobachter: FAO

Hilfreiche Quellen:

https://www.bmel.de/SharedDocs/Videos/2_Landwirtschaft/Welternaehrung/WelternaehrungVerstehen_Video.html

https://www.un.org/sustainabledevelopment/hunger/

https://www.unvienna.org/sdgs_de/sdg_02.html

https://www.globalhungerindex.org/de/results/

https://www.unric.org/de/pressemitteilungen/21820

http://www.fao.org/ag/againfo/themes/en/meat/home.html

https://www.weltagrarbericht.de/themen-des-weltagrarberichts/fleisch-und-futtermittel.html

https://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/Broschueren/Welternaehrung-verstehen.pdf?__blob=publicationFile

https://data.oecd.org/agroutput/meat-consumption.htm

https://www.bmvit.gv.at/ministerium/agenda2030/index.html

https://www.youtube.com/watch?v=wYxMwaTB_AQ

https://www.bzfe.de/_data/files/eif_2014_09-10_5-dimensionen_nachhaltige-ernaehrung.pdf

https://www.entwicklung.at/themen/wasser-energie-und-ernaehrungssicherheit/ernaehrungssicherheit/

https://www.bmbf.de/upload_filestore/pub/Nahrung_fuer_Milliarden.pdf

3 Tierversuche – des einen Freud des anderen Leid? (AWC)

Chairs: Patrizia Pompe, Julia Thüring

„Wer Tiere quält ist unbeseelt, weil Gottes guter Geist ihm fehlt“ – ein Aphorismus von Johann Wolfang von Goethe, mit welchem dieser die Tierquälerei durch den Menschen anspricht. Im Zusammenhang mit dem Thema des Tierversuches stellt sich nun jedoch die Frage, ob jener mit dem Begriff der Tierquälerei gleichzusetzen ist.

Tierversuchsgegner vertreten die Meinung, dass der Großteil an Wirbeltieren leidensfähige Wesen sind und Schmerz empfinden kann. Daraus ergibt sich der ethische Ansatz, dass der Mensch eine Verantwortung für diese Tiere hat, welche sich mit Tierversuchen nicht vereinbaren lässt. Ein weiteres Argument der Tierversuchsgegner ist die Übertragbarkeit der Testergebnisse auf den Menschen, da sowohl dessen Stoffwechsel- als auch Immunsystem sich von jenem der Tiere unterscheidet und folglich durch die Nutzung der lediglich an Tieren getesteten Medikamente schwere gesundheitliche Schäden beim Menschen eintreten können (Contergan-Vorfall). In diesem Zusammenhang kann auf die Bandbreite an „Alternativmethoden“ zum Erkenntnisgewinn, wie beispielsweise die Verwendung von Zellkulturen in vitro, verwiesen werden. Hier spielen die 3R-Prinzipien eine wesentliche Rolle: Die sogenannten 3R (Replacement, Reduction, Refinement) sind die leitenden Grundsätze des Versuchstierschutzes. Sie verpflichten die ForscherInnen zur

■Anwendung von Ersatzmethoden, wann immer dies möglich ist („Replacement“ bzw. „Vermeidung“),

■Verringerung der Zahl der verwendeten Tiere auf das unbedingt erforderliche Minimum („Reduction“ bzw. „Verminderung“) sowie zur

■Minimierung der Belastungen der verwendeten Tiere („Refinement“ bzw. „Verbesserung“).

Auf der anderen Seite stützen sich Tierversuchsbefürworter auf die historische Bedeutung von Tierversuchen bezüglich der fundamentalen Erkenntnisgewinne im Bereich der Medizin (Insulin, Tuberkulose) sowie auf die Ähnlichkeit der Bestandteile von Körperzellen und der biochemischen Mechanismen in ebenjenen zwischen Menschen und Tieren. Weiters werden Tierversuche mit dem Argument, das Interesse der Menschen, ihre Gesundheit zu erhalten, sei grundsätzlich höher zu bewerten als der Schutz anderer Lebewesen, gerechtfertigt.

Jedoch sind Versuche an Tieren nicht nur in der Forschung, sondern auch in der Kosmetikindustrie allgegenwärtig. Hierbei dienen sie als wichtiger Bestandteil im Entwicklungsprozess bei der Gewinnung von Erfahrungssätzen in der Produktentwicklung, wodurch wiederum die Verbrauchersicherheit gestärkt wird. Weltweit zeichnet sich mittlerweile jedoch ein Trend zum Verbot von Tierversuchen in der Kosmetikbranche ab. Mit Inkrafttreten der letzten Stufe des Tierversuchs-Verbotes ist seit März 2013 der Verkauf von Kosmetika, deren Inhaltsstoffe außerhalb der EU in Tierversuchen getestet wurden, EU-weit verboten. Hervorzuheben ist die Forderung des EU-Parlamentes für die Einstellung von Tierversuchen für kosmetische Mittel sowie für den weltweiten Verkauf unlängst getesteter kosmetischer Mittel an die UNO. Auch nicht-europäische Staaten wie Indien, Kanada und Guatemala sind beispielsweisend auf dem Weg zu einem absoluten Tierversuchsverbot in der Kosmetikbranche.

Zu erwähnen sind auch die Umstände der Gewinnung von Versuchstieren. Diese werden entweder in Laboren gezüchtet oder in der Wildnis (vorwiegend in Afrika und Asien) gefangen und anschließend weltweit mit hohem Profit gehandelt.

Es gilt nun in Diskurs zu treten und Überlegungen anzustellen, wie der Spagat zwischen den ethisch-moralischen Ansprüchen der Tierversuchsgegner und der Freiheit der Forschung und Wirtschaft zu gelingen vermag.

Komiteemitglieder: Brunei, Costa Rica, Guatemala, Kanada, Kroatien, Laos, Mongolei, Neuseeland, Niederlande, Norwegen, Schweiz, Slowakei, Sri Lanka, Thailand

Unabhängiger Beobachter: Humane Society International

Hilfreiche Quellen:

https://www.vetmeduni.ac.at/fileadmin/v/z/forschung/infobroschuere_tierversuche_06-2016.pdf

https://www.aerzte-gegen-tierversuche.de/de/infos/allgemein/248-warum-tierversuche-nicht-notwendig-sind

https://www.imabe.org/index.php?id=2217

https://www.basel-declaration.org/

https://www.vgt.at

https://www.tierschutzbund.de/information/hintergrund/tierversuche/kosmetik/

https://ec.europa.eu/jrc/en/eurl/ecvam

https://www.dfg.de/download/pdf/dfg_im_profil/geschaeftsstelle/publikationen/tierversuche_forschung.pdf

https://www.hsi.org/issues/animal-testing/

4 Piraterie (IMO)

Chairs: Florian Knoll, Franz Perko

Gemäß dem Seerechtsübereinkommen der UNO (Artikel 101) von 1994 wird unter Piraterie („Seeräuberei“) die Ausübung von Gewalttaten, Eigentumsdelikten oder Freiheitsberaubungen mittels eines Seefahrzeuges verstanden.

Ging es in alter Zeit meist um die Ladung und die privaten Besitztümer der Besatzung, so steht bei der modernen Piraterie vor allem eine Lösegelderpressung im Vordergrund. Schiff und Besatzung werden festgehalten, bis Eigentümer oder Reederei den gewünschten Betrag aushändigen.

Der Gesamtschaden, der durch Piraterie entsteht, lässt sich schwer schätzen, da unterschiedliche Wirtschaftszweige davon betroffen sind. Der amerikanische Think-Tank Rand-Corporation geht davon aus, dass der Schaden zwischen einer und sechzehn Milliarden Dollar pro Jahr liegt.

Die Anzahl der weltweiten Überfälle von Piraten nahm seit dem Jahr 2006 jährlich zu und erreichte 2010 mit 445 registrierten Überfällen ihren Höhepunkt. In den Folgejahren war die Anzahl von Piratenüberfällen fortlaufend rückläufig und lag im Jahr 2017 bei 180, stieg jedoch im Jahr 2018 wieder auf 201 Fälle. 2019 ging die Zahl der Überfälle bisher zurück, dennoch besteht das Risiko weiter. (Siehe hierzu: https://de.statista.com/themen/2053/piraterie-in-der-seefahrt/).

Besonders von Piraterie betroffene Gebiete sind das Horn von Afrika, der Golf von Guinea, die Gewässer Indonesiens sowie die Straße von Malakka in Asien.

Die in den letzten Jahren tendenziell sinkenden Übergriffszahlen sind unter anderem auf militärische Einsätze, wie beispielsweise durch Marinestreitkräfte von Staaten der  Europäischen Union im Rahmen der Operation Atalanta vor dem Horn von Afrika und im Seegebiet vor der somalischen Küste, zurückzuführen.

Was sind die zentralen Ursachen für moderne Piraterie?

Welche Strukturen stecken hinter der modernen Piraterie?

In welchem Ausmaß sind die im Komitee vertretenen Staaten von Piraterie (mittelbar/unmittelbar) betroffen?

In welchem Ausmaß ist die internationale Sicherheit sowie Wirtschaft von Piraterie betroffen?

Welche umfassenden Gegenmaßnahmen können gesetzt werden?

Komiteemitglieder: Elfenbeinküste, Eritrea, Frankreich, Griechenland, Indonesien, Jemen, Liberia, Malaysia, Nigeria, Panama, Philippinen, Somalia, Spanien, Tansania

Unabhängiger Beobachter: International Maritime Bureau

Hilfreiche Quellen:

Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur, „Piraterie in der Schifffahrt“: https://www.bmvi.de/SharedDocs/DE/Artikel/WS/piraterie.html

Deutsches Maritimes Kompetenz Netz, zum Thema „Piraterie“: https://www.dmkn.de/?s=Piraterie

International Maritime Bureau (IMB): https://www.icc-ccs.org/piracy-reporting-centre/live-piracy-map (IMB Piracy Live Map)

Mair Stefan (Hg.), Piraterie und maritime Sicherheit. Fallstudien zu Afrika, Südostasien und Lateinamerika sowie Beiträge zu politischen, militärischen, rechtlichen und ökonomischen Aspekten, Berlin 2010 (SWP-Studie Nr S18/2010)

Statista: https://de.statista.com/themen/2053/piraterie-in-der-seefahrt/ (Statistiken zum Thema Piraterie in der Seefahrt)

5 Digitale Kriegsführung (ITU)

Chairs: Jakob Fehle, Eva Graf

In Zeiten der digitalen Revolution ist auch die Art Kriege zu führen modernisiert worden. Durch die zentrale Rolle, die Computer heutzutage in der öffentlichen und privaten Infrastruktur eines Landes innehaben, sind sie strategische Ziele bei einem militärischen Angriff geworden. Digitale Kriegsführung beschreibt den Versuch eines Staates, in die Computernetzwerke eines anderen einzudringen oder diese zu beschädigen, mit dem Ziel, Zerstörung oder Chaos zu verursachen.

Krankenhäuser, Strom- oder Wassernetzwerke und staatliche Websites sind nur einige der möglichen Opfer solcher Angriffe. Die Auswirkungen, die ein partieller oder sogar totaler Ausfall der Infrastruktur eines Staates auf seine Bevölkerung haben könnte, sind enorm. Allerdings existiert momentan noch keine „digitale Genfer Konvention“, welche die Rechte von Zivilisten bei Ausbruch eines digitalen Krieges schützt.

Ziel dieses Komitees ist es, internationale Richtlinien bezüglich der Nutzung von digitalen Waffen in Kriegshandlungen festzulegen, um die Sicherheit von Unbeteiligten zu gewährleisten.

Komiteemitglieder: Estland, Gabun, Georgien, Israel, Republik Kongo, Luxemburg, Namibia, Russland, Sambia, Serbien, Syrien, Türkei, Ukraine

Unabhängiger Beobachter: UNODC

Hilfreiche Quellen:

https://netzpolitik.org/2018/cyberwar-der-endlose-krieg/#spendenleiste

https://www.security-insider.de/was-ist-cyberwar-a-672813/

https://www.wired.com/story/cyberwar-guide/

https://www.youtube.com/watch?v=7QNfkqjviQA (Kurzvideo)

https://www.youtube.com/watch?v=EMG4ZukkClw (UN-Rede)

6 Myanmar (UNHCR)

Chairs: Laura Fischer, Sonja Graf

Im südostasiatischen Myanmar findet derzeit eine der größten Verfolgungen weltweit statt. Es handelt sich dabei um die muslimische Minderheit der Rohingya, welche bereits seit Jahrzehnten unterdrückt und ausgeschlossen wird. Insgesamt befinden sich zurzeit knapp 600.000 Rohingya in Myanmar, 1,5 Millionen leben bereits im Exil. Die Vereinten Nationen stufen diese als stärkste verfolgte Minderheit der Gegenwart ein.

Kurz nach der Unabhängigkeit von Großbritannien im Jahre 1948 hat die neue Landesregierung ausgewählte Volksgruppen anerkannt und ihnen somit eine Staatszugehörigkeit gewährt. Obwohl die Rohingya laut eines Berichts der International Human Rights Clinic der juristischen Fakultät der Yale University nicht zu diesen Volksgruppen gezählt haben, war es ihnen möglich, einen myanmarischen Ausweis zu erhalten, sofern ihre Familie seit mindestens zwei Generationen im Land lebte. Zu dieser Zeit haben bereits vermehrt Militäreinsätze gegen die Rohingya stattgefunden. Diese haben sich drastisch vermehrt, als das Militär 1962 die Regierung übernommen hat.

1982 ist schließlich das Staatsbürgerschaftsgesetz in Kraft getreten, welches die Rohingya nicht als offizielle Volksgruppe anerkannt hat und ihnen somit bis heute den Anspruch auf die myanmarische Staatsbürgerschaft entzieht. Die Regierung lehnt die Bezeichnung Rohingya ab und spricht stattdessen von Bengalis, illegale Einwanderer aus Bangladesch. Diese Maßnahmen verwehren den Rohingya den Zugang zu Bildung, Arbeit sowie zum Gesundheitssystem und macht es ihnen kaum möglich, zu reisen, heiraten oder ihre Religion auszuüben. Durch militärische Überfälle werden zahlreiche muslimische Dörfer zerstört, der Grundbesitz der Rohingya beschlagnahmt und der Privatbesitz abgenommen. Während sich ein Teil der muslimischen Minderheit auflehnt, fliehen hunderttausende Rohingya nach Bangladesch, Malaysia, Thailand und Indonesien. Dabei werden sie oft Opfer von Missbrauch, Vergewaltigungen, Mord und Folter.

Allein im September und Oktober 2017 sind etwa 600.000 Angehörige der Rohingya ins benachbarte Bangladesch geflohen. Sie halten sich dort in Flüchtlingslagern auf, welche einen großen Mangel an Nahrungsmitteln und medizinischer Versorgung aufweisen. Helfer vor Ort berichten, dass es Hinweise auf sexuelle Gewalt und Menschenhandel gibt. Ärzte sprechen auch von unzumutbaren Lebensbedingungen in den Flüchtlingscamps, unter anderem auf Grund fehlender Hygiene.

Der Rohingya-Konflikt wird von Experten bereits mit einem Genozid verglichen und wird als eine der größten humanitären Krisen weltweit eingestuft. Es ist die Aufgabe der Vereinten Nationen, dem Geschehen rechtzeitig entgegenzuwirken und das Schlimmste zu verhindern.

Komiteemitglieder: Äthiopien, Bangladesch, Bolivien, Bosnien und Herzegovina, Dänemark, Irak, Libyen, Litauen, Myanmar, Nordkorea, Pakistan, Rumänien, Saudi-Arabien, Vereinigte Arabische Emirate

Unabhängiger Beobachter: Amnesty International

Hilfreiche Quellen:

https://www.youtube.com/watch?v=t73OgjdA4oI

https://www.youtube.com/watch?v=yRnWtbZv83w

https://www.youtube.com/watch?v=D8t043F-8G0

https://derstandard.at/1342947886873/Die-Rohingya-haben-den-Status-von-Freiwild

http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/der-papst-in-burma-auf-heikler-mission-15313986.html

http://www.fortifyrights.org/downloads/Yale_Persecution_of_the_Rohingya_October_2015.pdf

http://www.aljazeera.com/indepth/features/2017/08/rohingya-muslims-170831065142812.html

http://www.zeit.de/2017/20/rohingya-myanmar-muslimische-minderheit-fluechtlinge-kutupalong/seite-2

http://www.zeit.de/politik/ausland/2018-01/myanmar-rueckkehr-rohingya-fluechtlinge-gefahr-un

http://www.aljazeera.com/news/2017/10/myanmar-tourism-crisis-rohingya-suffering-171029085821714.html

https://www.auswaertiges-amt.de/de/aussenpolitik/laender/myanmar-node/myanmarsicherheit/212100

7 Genmanipulation (WHO)

Chairs: Sarah Meier, Nikolaus Schindl

Es gibt wenig kontroverser diskutierte Themen als Gentechnik und Genmanipulation. Sie ist beispielsweise für medizinische Zwecke wie die Herstellung des überlebenswichtigen   Proteohormons Insulin akzeptiert, wenn es aber ums Essen oder um die Heilung von tödlichen Krankheiten wie HIV oder genetische Krankheiten wie Trisomie 21 geht, so wird sie meistens verboten oder verdammt. Die Menschheit manipuliert das genetische Material von Lebewesen bereits seit Jahrtausenden. Früher wurde das mit Hilfe von Zucht gemacht. Heutzutage steht dank umfassender Forschung die Möglichkeit offen, den Prozess zu beschleunigen, indem künstlich in das Erbgut eingegriffen wird. Durch CRISPR-Cas9 oder kurz CRISPR alias „die Genschere“ minimieren sich der Zeitaufwand und die Kosten erneut radikal. Das Potential ist allumfassend. Und genau darin liegt das Problem. Es besteht laut zahlreichen Forschern die Möglichkeit, menschliche Babys zu modifizieren. Dies soll bereits im November 2018 in China durchgeführt worden sein. Das Zwillingspaar sei angeblich gegen HIV resistent gemacht worden. Die meisten Auswirkungen, die durch die Manipulation der DNA auftreten können, sind noch unbekannt. Das gilt sowohl für Pflanzen, als auch für Tiere und Menschen. Dennoch, wen man es nie ausprobiert, wird das auch immer so bleiben.

Klar ist, dass eine Abgrenzung der gentechnisch veränderten Lebewesen zu den nicht veränderten Lebewesen nicht mit Sicherheit garantiert werden kann. Es besteht also die berechtigte Sorge, dass in Zukunft die Artenvielfalt drastisch dezimiert wird und nur noch modifizierte Lebewesen überleben können. Es könnte also sein, dass genetisch modifizierte Menschen, wie sie in China erschaffen worden sind in Zukunft die Welt dominieren werden, indem sie ihr Erbgut an die ganze Menschheit weitergeben. Das dauert zwar anfangs, geht mit der Zeit aber immer schneller. Die Grenzen enden bekanntlich nicht bei der Resistenz gegenüber HIV, sondern können bis zu übernatürlich kräftig, übernatürlich schlau, übernatürlich schnell, … reichen. Sowohl das Potential als auch die Risiken sind groß.

Wenn es um Menschenversuche geht, sollten Sorgfalt und Kontrolle an erster Stelle stehen. Denn auch bei CRISPR kann es zu ungewollten Mutationen kommen. Die Menschheit hat im Moment noch zu wenig Erfahrung und Wissen auf dem Gebiet der Genmanipulation um solche ungewollten Veränderungen völlig ausschließen zu können.

Dennoch stellt sich die Frage ob ein allgemeines Verbot in Bezug auf die Forschung und die Durchführung der Gentechnik an Menschen und Tieren nicht doch nach hinten losgehen würde.

Komiteemitglieder: Belgien, China, Finnland, Irland, Kolumbien, Österreich, Paraguay, Peru, Schweden, Senegal, Seychellen, Singapur, Tschechien

Unabhängiger Beobachter: World Health Organisation (WHO)

Hilfreiche Quellen:

https://www.youtube.com/watch?v=ZAz1GutJGbg

https://www.youtube.com/watch?v=DE11uy4spho

https://www.sciencemag.org/topic/crispr

http://www.ecomodernism.org/manifesto-english/

https://www.nature.com/articles/srep22555#change-history

https://www.nature.com/news/chinese-scientists-to-pioneer-first-human-crispr-trial-1.20302

https://www.who.int/genomics/public/geneticdiseases/en/index2.html

https://scienceline.org/2018/11/first-crispr-clinical-trial-begins-in-europe/

8 Weltraummüll – Eine Mülldeponie über unseren Köpfen? (COPUOS)

Chairs: Sebastian Hietsch, Daniela Jungreuthmayer

Seit der Start des sowjetischen Satelliten „Sputnik 1“ im Jahr 1957 das Zeitalter der Raumfahrt eingeleitet hat, haben Tausende von Raketen Satelliten und andere Raumschiffe in den Weltraum befördert. Im Lauf der Jahre haben sich insbesondere im LEO (Low Earth Orbit) und GSO (Geosynchronous Orbit) stillgelegte Satelliten, obere Raketenstufen und Trümmerteile von Raumschiffen angesammelt. Diese stellen eine Gefährdung für aktive Satelliten dar, die genauso wie die internationale Raumstation ISS regelmäßig Ausweichmanöver durchführen müssen.

Das Verhängnisvolle am Weltraumschrott ist die hohe Geschwindigkeit: Objekte in einer niedrigen Umlaufbahn um die Erde bewegen sich mit einer relativen Geschwindigkeit in der Größenordnung von 10 km/s. Wenn ein Satellit mit einer Murmel (ca. 6 Gramm) kollidieren würde, wären die Folgen vergleichbar mit den Folgen einer Kollision mit einem VW Käfer bei 90 km/h.

Kollisionen wie der Zusammenstoß zwischen einem amerikanischen Iridium- und einem russischen Kosmos-Kommunikationssatelliten 2009 sind nicht die einzige Quelle von Weltraummüll. Auch Tests von Anti-Satellitenwaffen steigern die Menge an Trümmern.

Obere Raketenstufen, die einen Satelliten in seine endgültige Umlaufbahn bringen, verbleiben auch in einem Orbit, wenn sie nicht aktiv wieder auf die Erde zurückgeholt werden.

Das US-Amerikanische Verteidigungsministerium verfolgt Zehntausende Objekte, die eine Gefährdung für Raumschiffe darstellen könnten. Auch, wenn man aufhören würde, Satelliten ins All zu befördern, wäre das Problem noch immer nicht gelöst. Aufgrund von Kollisionen der einzelnen Trümmerteile miteinander kommt es zu einem Kessler-Syndrom genannten Dominoeffekt.

Wie ist eine dauerhafte Reduktion des Weltraummülls zu erreichen? Welche Methoden kommen dafür in Frage und wer ist dafür zuständig? Welche Maßnahmen müssen bei zukünftigen Raketenstarts getroffen werden, um die Entstehung weiteren Weltraummülls zu verhindern?

Komiteemitglieder: Algerien, Ecuador, Island, Italien, Japan, Kasachstan, Kenia, Marshall-Inseln, Polen, Südkorea, Uruguay, Vereinigte Staaten von Amerika, Weißrussland

Unabhängiger Beobachter: The Planetary Society

Hilfreiche Quellen:

https://www.nasa.gov/mission_pages/station/news/orbital_debris.html

https://www.youtube.com/watch?v=9cd0-4qOvb0

https://www.esa.int/Our_Activities/Space_Safety/Space_Debris/About_space_debris

https://www.nationalgeographic.com/science/space/reference/space-junk/

https://www.vice.com/en_us/article/qvgvjb/what-happens-when-two-satellites-collide-in-space

https://www.lockheedmartin.com/en-us/products/space-fence.html

http://stuffin.space/

9 Aktuelles Thema (CSC)

Chairs: Manuel Graf, Regina Hof, Max Janka

Was tut die UN, wenn ein Terroranschlag wie 9/11 passiert oder im Nahen Osten Kriegsverbrechen stattfinden? Der Krisensicherheitsrat tritt unmittelbar zusammen, um schnelle und effektive Lösung zu finden.

Dieses Komitee richtet sich nach den Vorschriften des UN-Sicherheitrates, eines der sechs Hauptorgane der UN. Jedoch erfahren die Delegierten ihr Land erst zwei Wochen vor der MUNW 2020 und das Thema des Konflikts wird bei der ersten Konferenzsitzung bekanntgegeben.

Daher wird es den Delegierten geraten nur an diesem Komitee teilzunehmen, wenn sie bereits erfolgreiche MUN-Erfahrung haben. Die Anzahl der Delegierten beschränkt sich auf 17 Teilnehmerländer (first come, first served)

Komiteemitglieder: Sicherheitsrat + 2 UN-Mitgliedstaaten als unabhängige Beobachter

Weitere Informationen zu den Inhalten der Modell UNO 2020 finden Sie hier.

Alle Bildrechte: Mag. Florian Riepl