Anfang Jänner 2021 trat Jana MANDL an Studierende und uns Lehrende heran und fragte, ob es denn möglich wäre, Bäume und Sträucher im Schulhof zu pflanzen und den Bereich um den mittlerweile doch leidend aussehenden Lehrer*innenparkplatz zu verschönern. Es fanden sich rasch Studierende, die diese Idee toll fanden, und so trat am 12. Jänner die Projektgruppe zum Schulprojekt „Bäume im Schulhof“ erstmals zusammen. Mehr als 20 Sitzungen und Besprechungen folgten. Es war viel unklar. Wo sollen die Bäume hin? Welche Bäume und/oder Sträucher sollen überhaupt gepflanzt werden. Dürfen die Studierenden das überhaupt und wie sieht es konkret mit den rechtlichen Bestimmungen aus? Wer zahlt dafür? Welche Widmungen sollen die Bäume tragen? Was will unsere Schulgemeinschaft damit eigentlich bewirken? 10 Monate nach der ersten Sitzung der Projektgruppe stehen zwei Bäume (Kugelahorn) im Schulhof. Sie tragen Widmungen wie Humanität, Demokratie, Menschenrechte und Nachhaltigkeit aber auch andere Werte, die den Studierenden wichtig sind wie Respekt und Antirassismus.

Viele Stimmen innerhalb und außerhalb unser Schulgemeinschaft haben ihre Wertschätzung für die Eigeninitative der beteiligten Studierenden zum Ausdruck gebracht.

Bundespräsident Alexander VAN DER BELLEN hat sich mit den folgenden Worten an unsere Studierenden gewandt: Ich hab‘ gehört, dass Sie Ihren Schulhof mit neu gepflanzten Bäumen verschönern und begrünen wollen. Diese hohe Maß an Eigeninitative finde ich schätzens- und bemerkenswert. Ich bin mir sicher, dass die Bäume gut gedeihen und noch vielen Studierendengenerationen nach Ihnen Freude bereiten werden. Schön finde ich auch unter welche Werte Sie die Bäume gestellt haben; Humanität, Menschenrechte, Demokratie und Nachhaltigkeit. Diese Werte sind unumstößliche Grundpfeiler für uns als Gesellschaft. Ich wünsche Ihnen, dass dieses Projekt viele Nachahmer findet.

Der Bezirksvorsteher von Floridsdorf Georg PAPAI grüßte das Team des Baumprojekts recht herzlich und hob die große Eigeninitative der Studierenden hervor. Er  verlieh seiner großen Freude Ausdruck, jungen Menschen zu einem gesellschaftspolitisch so wichtigem Projekt gratulieren zu können. Er findet, dass die Studierenden des Abendgymnasiums damit einen wertvollen Beitrag im Kampf gegen den Klimawandel leisten.

Der Obmann des Vereins für Justizgeschichte und Rechtstaat Friedrich FORSTHUBER gratuliert den Studierenden zu ihrem wertvollen Projekt und wies auf die Bedeutung des modernen Rechtsstaats, der Bürgerpartizipation und der politischen Bildung für den demokratischen Rechtsstaat hin. Er rief die Studierenden auf aktiv für den demokratischen Rechtstaat einzutreten und u.a. weitere Bäume für Menschenwürde, Freiheit, Gleichheit, Rechtsstaatlichkeit und der Minderheitenrechte zu pflanzen. Ich kann ihm hier nur zustimmen, denn dort, wo das Recht aufhört, beginnt die Willkür.

Der Stellvertretende Vorsitzende der Österreichischen Gesellschaft für Rechtslinguistik (ÖGRL) Paul SCHWARZENBACHER wies darauf hin, dass dieses Projekt dem  Ziel der Wiener Kinder- und Jugendstrategie entspricht, nämlich dass jedes Kind und jede*r Jugendliche einmal im Jahr in Wien einen Baum pflanzen darf. Es wird damit auch ein Beitrag zu den globalen Zielen für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen geleistet. Er wünscht der Schulgemeinschaft, dass die Bäume ein Symbol für eine nachhaltige Stadt seien, in der Frieden und Gerechtigkeit fortdauern mögen.

Patricia RAXENDORFER, Schülerin der HLW Sozialmanagement in der Kalvarienberggasse findet die Themen Humanität, Menschenrechte, Demokratie und Nachhaltigkeit echt wichtig. Sie schreibt: Man sollte Menschen als Menschen sehen und nicht als Kategorien, deswegen sind Menschenrechte auch so wichtig, weil sie allen Menschen zugutekommen. Demokratie heißt, dass Menschen mitbestimmen können, welche Entscheidungen in einem Land getroffen werden. Nachhaltigkeit bedeutet, dass wir in die Zukunft schauen und unsere Umwelt schützen müssen, denn es gibt nur diesen einen Planeten auf dem wir leben können. Deswegen ist es wichtig, dass wir jetzt schon auf unsere Umwelt achten und alles für ihre Erhaltung tun und ihre Zerstörung verhindern. Dieses Baumprojekt ist dazu ein wertvoller Beitrag, da jeder einzelne Baum der gepflanzt wird in Wien dem Klima und der Umwelt hilft.

Prof. Juliet SCHILLING, Professorin für Englisch und Geografie am Abendgymnasium Wien und Mutter zweier wunderbarer Söhne bedankt sich herzlich bei den Studierenden, dass sie so eifrig am Baumpflanzprojekt teilnehmen, nicht nur um das Schulgelände zu verschönern, sondern auch um einen Beitrag zur Pflege unserer Umwelt zu leisten. Als Geografin, aber v.a. als Mama ist mir nachhaltiges Agieren gerade sehr wichtig und ich freue mich, dass auch jungen Menschen unsere Umwelt und Natur am Herzen liegt.

Die Mitglieder der Band EUPHONIQUES grüßen alle Studierenden des Abendgymnasiums und das Team des Baumprojekts. Sie finden es echt super, dass Studierende auf Menschenrechte stehen. Und: Dem Baum schreibt man Sicherheit und Geborgenheit zu, deswegen vielen Dank, an die Studierenden, dass sie sich Gedanken zu Demokratie machen. So wie die Wurzeln eines Baumes in den Boden ragen, so liegt der Ursprung einer Demokratie bei den Bürger*innen, und so wie die Blätter unter anderem Licht zur Bildung der Photosynthese brauchen, so brauchen wir unsere Stimmen. So wie die Krone eines Baumes gepflegt wird, so gilt es auch mit der Demokratie umzugehen.

Prof. Luke GREEN, Podcaster (Yellow of the Egg) und Lehrender am Hernalser Gymnasium Geblergasse, grüßt die Studierenden and congratulates them on their initiative with the tree project. He adds that it’s a wonderful and important thing to be doing, to be standing up for these values – humanity, democracy, human rights and sustainability. These represent the foundation of a society where we can all truly live in peace with one another. In his work on the podcast, he has had the opportunity to learn more about many other people and other cultures beyond his own. By being open to learning about each other and by embracing diversity, we can allow for empathy and for mutual respect, which are essential in order to uphold these values of humanity, democracy and human rights. And as for sustainability, realistically we only have this one planet, and we have to share it. While we all really do have our own homes individually too, one thing that connects us all is that we all share this one home, this one planet. And so, in order to be able to respect each other, we have to respect our planet, our shared home. Which is why it’s so important that we have initiatives such as these. He wishes the students good luck moving forward, and congratulates them on making this happen.

Heline AHMAD von der asylkoordination Wien gratuliert den Studierenden zu ihrem Projekt und leistete mit ihrem Antirassismus-Workshop im Anschluss an den Festakt selbst einen wertvollen Beitrag. In diesem Workshop näherten die Studierenden sich auf drei Ebenen den Phänomenen Rassismus und Diskriminierung. Auf der ersten Ebene – der Identität/Vielfalt – schlüpften die Studierenden in zufällig ausgewählte Identitäten und mussten sich damit Fragen des realen Lebens stellen, was schnell zu hitzigen Debatten führte. Auf der zweiten Ebene – der Wahrnehmung – konnten die Studierenden durch das alt bekannte Spiel Stille-Post sehen, wie subjektiv Geschichten aufgenommen werden und dass dadurch das Weitererzählen maßgeblich beeinflusst wird. Auf der dritten Ebene – die der Vorurteile – beschrieben die Studierenden ihnen bekannte Gruppen und können im Anschluß so erkennen, dass manche Menschen eher Vorurteilen und somit Diskriminierungen und Rassismus ausgesetzt sind als andere. All are welcome in this place.

Ich möchte zuletzt auch noch meine ganz persönlichen Dankesworte an die Schulsprecherin Jana MANDL und den Projektkoordinator Pablo WENNINGER und an meine vielgeschätzte Kollegin Prof. Isabella KAISER richten. Zuerst möchte ich den beiden Studierenden für das gesamte Projektteam recht herzlich gratulieren. Was ihr und eure Kolleg*innen in den vergangenen Monaten geleistet habt, die Herausforderungen, die ihr bewältigt habt und die Durchsetzungskraft, die ihr bewiesen habt, das alles geht weit über das im Schullalltag Abverlangte hinaus. Euer beherztes Eintreten für Werte wie Humanität, Demokratie, Menschenrechte und Nachhaltigkeit und alle anderen damit verbunden Werte hat nun in den zwei gepflanzten Bäumen Gestalt angenommen. Ich bin sehr stolz, mich als euer Lehrer bezeichnen zu dürfen, denn es ist eine Ehre, Menschen unterrichten zu dürfen, die proaktiv Verantwortung für unsere Schulgemeinschaft übernehmen. Ich darf euch beide recht herzlich auf die Universität Wien einladen, um angehenden Lehrer*innen eure Eindrücke als Studierende des Abendgymnasiums Wien mit auf den Weg zu geben.

Last but certainly not least möchte ich mich bei dir bedanken, Prof. Isabella KAISER. Isabella, du hast mit deiner Expertise, deiner Geduld und deiner Weitsicht nicht nur die Studierenden sondern auch mich durch die manchmal steilen Gebirgszüge dieses Schulprojektes geleitet. Du hast trotz deiner sehr intensiven Verpflichtungen als Bezirksrätin und Gewerkschafterin immer Zeit für die Studierenden und auch für mich gefunden, wenn es um Planung, Vorbereitung und vor allem um die praktische Durchführung ging. Du hast alle motiviert, wenn es einmal nicht so glatt lief und hast uns wieder zurück auf den Weg gebracht. Wir zwei haben gemeinsam die Studierenden begleitet, aber – und das muss auch gesagt werden – du warst auch während des Projekts immer für mich da, weshalb ich an dieser Stelle einfach Danke sagen möchte. Danke, dass du an unserer Schule bist und danke, dass du bist, wie du bist.

Diese zwei Bäume werden aber nicht die einzigen bleiben, denn weitere werden folgen. Es stehen auch noch andere Projekte an, für deren Umsetzung wie immer Studierende und Lehrende gesucht werden:

  • die Gedenkveranstaltung für die Opfer der Novemberpogrome 1938, die am 9. November 2021 stattfindet;
  • die Neugestaltung der den Schulhof umgebenden Mauer in den Farben der Regenbogenfahne;
  • die Präsentation des urban gardening projects im Schulhof;
  • die Planung und Durchführung des Workshops der Aids Hilfe Wien zur Sexualgesundheit;
  • die Planung und Durchführung der Workshopreihe der asylkoordination Wien;
  • die Einrichtung eines Raums der Stille für alle Weltanschauungen im Demokratie-Verfassungsbogen;
  • die Organisation des 1. Wirtschafts- und Sozialpraktikums unter Miteinbeziehung aller interessierten Akteure der Sozialpartnerschaft.

Rückfragen, Kritik und Anregungen aller Art jederzeit an: daniel.leisser@abendgymnasium.at

Euer
Daniel Leisser

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Abdul Ali Kouchi (privat)