Studierende und Lehrende des Abendgymnasiums Wien nahmen im vergangenen Semester fächerübergreifend an dem Projekt “Junge MuslimInnen in Österreich” teil. Die Früchte dieser Zusammenarbeit von Wissenschaft und Praxis können in der Ausstellung ”Junge MuslimInnen in Wien” im Volkskundemuseum von allen Studierenden, Lehrenden, AbsolventInnen und FreundInnen unserer Schule betrachtet werden.

 

Schulgespräche: Junge Muslim*innen in Wien
Mi, 18.09.2019 – So, 02.02.2020

Muslim*in zu sein – was alles bedeutet das für österreichische Jugendliche? Wie leben muslimische und nicht-muslimische Jugendliche im Schulalltag zusammen? Wie wird der Islam praktiziert oder nicht praktiziert? Welche Rolle spielen überhaupt Religion und Bekenntnis in der Schule? Wie wirken sich Elemente islamischer Lehre im Rahmen der verschiedenen Fächer aus?

Schulgespräche – Junge MuslimInnen __ Trailer from IKT ÖAW on Vimeo.

Die Ausstellung zeigt eine Videoinstallation, die das umfangreiche Videomaterial des Forschungs- und Ausstellungsprojekts „Junge Muslim*innen in Österreich. Eine sozialanthropologisch-kulturwissenschaftliche Forschung an Wiener Schulen“ thematisch verarbeitet:

Der öffentliche und politische Diskurs über Muslim*innen und „den Islam“ wird dominiert von problematisierenden Darstellungen und der Verbindung mit primär negativ konnotierten Phänomenen wie Flucht und Migration, gesellschaftlicher Segregation, religiösem Extremismus und Gewalt – überwiegend geäußert von Nicht-Muslim*innen. Dem gegenüber bleiben die Stimmen der Muslim*innen in der Öffentlichkeit leise, und die soziokulturelle Vielfalt muslimischen Lebens ist weitgehend unbekannt. Die Spannung zwischen Selbstwahrnehmungen von Muslim*innen und problematisierenden bis hin zu offen abwertenden Fremdzuschreibungen hat sich im Verlauf der letzten 15 Jahre in der gesamten „westlichen Welt“ zu einer politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Kluft vertieft, die ein friedliches und produktives Zusammenleben gefährdet. Muslimische und nicht-muslimische Jugendliche finden sich in diesem Diskurs kaum wieder.

Hier setzte das partizipative Forschungs-und Ausstellungsprojekt „Junge Muslim*innen in Österreich“ an. Gemeinsam mit Schüler*innen ab der 6. Klasse AHS sowie mit Lehrer*innen und Direktoren entdeckten und analysierten der Kulturwissenschafter Georg Traska und die Sozialanthropologin Valeria Heuberger die Vielfalt der Lebenswelten und Verhältnisse im sozialen Raum der Schule. Die dabei entstandene Videodokumentation bildet die Grundlage der Ausstellung.

Die Videoinstallation mit 15 thematischen Kurzfilmen stellt den diskursiven Raum der Schule und seiner Mitglieder in unterschiedlichen Gesprächs-und Interviewsettings dar: Schüler*innen interviewen Schüler*innen anderer Klassen und Schulen. Einzel-und Gruppeninterviews werden von den leitenden Wissenschafter*innen geführt. Lehrer*innen verschiedener Fächer leiten Diskussionen in ihrem Unterricht und sprechen untereinander über ihre Sichtweise des Sozialraums Schule und die Herausforderungen in ihren Disziplinen. Direktoren und Vertreter*innen der Schulbehörden formulieren ihre Perspektiven.

Die Kurzfilme befassen sich mit spezifisch muslimischen Themen wie dem Kopftuch, Ramadan, der religiösen Praxis in der Schule; mit Islamischem Religionsunterricht und den Besonderheiten einer islamisch-konfessionellen Schule; aber auch mit Schulkultur in einer weiteren Perspektive und mit den weichen Übergängen zwischen kulturellen, ethnischen und religiösen Zuschreibungen. Die Jugendlichen formulieren ihre Vorstellungen zu aktuellen Geschlechterrollen und sprechen über interkonfessionelle Freundschaften und Beziehungen. Kontextualisiert werden die Filme durch Kurztexte im Ausstellungsraum.

Zum Projekt

„Junge Muslim*innen in Österreich. Eine sozialanthropologisch-kulturwissenschaftliche Forschung an Wiener Schulen“ wurde für das Programm Sparkling Science konzipiert, das die Zusammenarbeit von wissenschaftlicher Forschung und Schule fördert. Georg Traska und Valeria Heuberger gestalten das Projekt als Kooperation des Instituts für Kulturwissenschaften und Theatergeschichte sowie des Instituts für Sozialanthropologie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Seit November 2017 arbeiten sie mit vier Wiener Schulen zusammen.

Projektleiter: Georg Traska
Wissenschaftliche Mitarbeiterin: Valeria Heuberger
Projektbeteiligte Schulen: Abendgymnasium, Wien 21, BRG/ORG Henriettenplatz, Wien 15, GRG Ettenreichgasse, Wien 10, Islamisches Realgymnasium, Wien 15

Ausstellungseröffnung:

Di, 17.9.2019, 19.00 Uhr
Begrüßung: Matthias Beitl, Direktor
Zur Ausstellung: Georg Traska, Kurator und Projektleiter / Valeria Heuberger, Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Grußworte: Michael Sörös, Bildungsdirektion für Wien, Mitglied des nationalen Beirates von Sparkling Science

Quelle: https://www.volkskundemuseum.at/schulgespraeche

Mehr Informationen finden Sie auf der Website des Volkskundemuseums in diesem PDF