Das Soziale Web und Öffentlichkeitsarbeit an unseren Schulen.

Wien, 15. Jänner 2019

Was gibt es Neues? Der Newsletter aus dem Wiener Abendgymnasium für Lehrer:innen an Abendgymnasien im deutschsprachigen Raum.

– Zusammengestellt von Lothar Bodingbauer, Abendgymnasium Wien: http://wien.abendgymnasium.at, Tel. +43·699·190·39·196
– Rückmeldungen und Beiträge für die nächste Ausgabe bitte an: lothar.bodingbauer@abendgymnasium.at
– Newsletter abonnieren und Archiv aller bisherigen Ausgaben: http://wien.abendgymnasium.at/newsintern/

Für die Februar-Ausgabe ist ein Schwerpunkt „Disziplin!“ gefragt. Gesucht sind Antworten auf folgende Fragen:

* Wie geht es bei Euch mit Anwesenheit/Pünktlichkeit, gibt es Leid auf Lehrer:innenseite?
* Gibt es typische Konflikte zwischen Studierenden an Eurer Schule? Mit Studierenden?
* Wie streng geht es bei Euch an der Schule zu, was Anstand und Unterricht betrifft? Gibt es formulierte Regeln?
* Welche Erfahrungen habt ihr mit guter/schlechter Disziplin?

Bitte schickt Eure Erfahrungen bis 10. Februar 2019, dann können wir sie Mitte Februar aussenden.


Aktuelles

In Österreich wurden die Stadt- und Landesschulräte in „Bildungsdirektionen“ umgewandelt. Ein Video mit dem Titel „Dienstbesprechung“ wurde dazu vom Wiener Bildungsdirektor Heinrich Himmer veröffentlicht. Link: http://wien.abendgymnasium.at/stadtschulrat-wird-bildungsdirektion/

„Wenn sich der Lehrer outet“ – Vom Wunsch am Arbeitsplatz man selbst zu sein. Ein Ö1-Radiobeitrag zum Thema „Schwul und lesbisch in der Schule“ ist noch bis 21. Jänner 2019 auf der oe1.orf.at Seite nachzuhören: Link zum Radiobeitrag


Schwerpunkt: 10 Punkte zu Social Media und Öffentlichkeitsarbeit an Abendgymnasien

Öffentlichkeit und Schule stehen in einem Spannungsfeld, das sich mit dem Sozialen Netz gerade wandelt. Vieles ist noch nicht erprobt. Waren es früher Jahresberichte, gedruckte Anzeigen und klassische Medienberichte, die ein Bild der Schule nach außen vermittelt haben, sind es in zunehmenden Maße digitale Medien, die selbst gesteuert und gestaltet werden können. Aber von wem? Es wandelt sich zunehmend die Frage, wer sich aller um Öffentlichkeitsarbeit kümmert.

Folgende Punkte treten bei Social Media in den Vordergrund:

  • Fehler: Sie passieren. Wer hält den Kopf hin?
  • Zugang: Viele Möglichkeiten. Wer darf veröffentlichen?
  • Reaktionen: Kommentare und Forderungen. Was tun, wenn es Probleme gibt?
  • Strategien: Möglicherweise möglich. Wer entwickelt sie?
  • Präsentation: Das Bild ist gestaltbar. Was zeigen wir von uns?

Dieser Schwerpunkt entstand unter Mithilfe und Informationen von Kai Roos (Abendgymnasium Köln), Marion Lasinger (Abendgymnasium Linz), Peter Sabel (Koblenz Kolleg), Anneliese Theuermann (Abendgymnasium Klagenfurt) und Birgit Neuner-Mühlböck (Abendgymnasium Innsbruck) und Martin Kastner (Abendgymnasium Villach). Vielen Dank.

1. Eine recht typische Situation

Martin Kastner (Abendgymnasium Villach, dem Tagesgymnasium zugehörig): „Wir hatten jahrelang im Trakt der Abendschule einen Schaukasten mit Infomaterial (Lesungen, Feiern, Anmeldefristen) den wir erst kürzlich wieder reaktiviert haben. Die Homepage haben wir im Herbst „entstaubt“, sie ist nur eine Infoseite (Kalender & Infos & Rückblick). Die Facebook-Seite der Schule gehört eher nur der Tagesschule. Im Jahresbericht der Schule gab’s im vergangenen Jahr erstmals einen kleinen Abschnitt der Abendschule. Auch heuer wollen wir diesen Abschnitt wieder befüllen, damit wir nicht „verschwinden“. Die Abendschulwebsite wird seit Herbst von mir befüllt, unser Webmaster (Tagesschullehrer) hat nur wenig mit der Abenschule zu tun und freut sich, dass er diesbezüglich nicht mitdenken muss. Probleme gab’s bisher keine, wir wollen uns nur so bewerben, dass wir auch von denen gefunden werden, die uns gar nicht suchen. Am Semesteranfang hatten wir Plakate auf den LED-Info-Tafeln der Stadt, früher hatten wir noch Plakate & Folder verteilt – das wollen wir eventuell wiederbeleben. Social Web ist uns derzeit zu viel Aufwand (bzw. haben wir zu wenig Content), die Website sollten reichen.“

2. Erfahrungsbericht: Twittern aus der Matura

 

Am Wiener Abendgymnasium wurde 2016 versuchsweise während der mündlichen Prüfungen nette und bemerkenswerte Inhalte getwittert. Es ging dabei auch darum, den jeweiligen Stand der Prüfungen (Nummer) mitzuteilen, damit Lehrende und Studierende abschätzen konnten, zu welcher Zeit sie kommen müssen. Der Link zum Maturastream zum Nachlesen und Link zu Erfahrungen (Chancen und Gefahren), die daraus gewonnen wurden.

3. Fragestellung: Das problematische „wir“ und „uns“

Auf unzähligen Homepages von Schulen findet man Formulierungen wie „an unserer Schule“, „unser Team“. Die Worte „wir“ und „unser“ schließt andere aus, und zwar jene, die nicht dabei sind. „Othering“ heißt dieses Phänomen, das Außenstehende (sprachlich) abgrenzt. Ein heißes Thema derzeit. Vorschlag: Blanker Verzicht auf die Worte „wir“ und „unser“.

4. Erfahrung: Titel oder nicht?

Texte, Fließtexte, sie sterben oder trocknen aus, wenn Titel der Professor:innen verwendet werden. Im Leben außerhalb der Schule ist das klar: Es gibt keine sinnvollen Fließtexte, die Titel verwenden. Vorschlag: Weg mit allen Titeln in Fließtexten. Ersatz allenfalls durch die Funktion der Person. Letztlich wird die Person, der Name aufgewertet. (Z.B. Weitere Informationen gibt es bei Maria Wegscheider, sie koordiniert das Fernstudium). Die Titel sind im Kontaktverzeichnis hingegen sehr sinnvoll, dort gehören sie hin.

5. Tipp: Formatierungen und Ausrufezeichen!

Wer erkennen möchte, ob ein Text aus der Schule stammt, sucht nach Ausrufezeichen am Ende von Sätzen. Nur Schulen verwenden Rufzeichen. Im Leben außerhalb der Schule gibt keine sinnvollen Gebrauchstexte, die Rufzeichen verwenden. Vorschlag: Ausrufezeichen durch Punkte ersetzen. Die Texte werden einfach besser. Ausnahmen bestätigen die Regel. Formatierungen im Text? Natürlich ganz schlecht. Wenn der Inhalt so schlecht ist, dass er Fettdruck braucht, sollte man den Inhalt ändern. Und: es gibt keine „wichtigen Informationen“. Unwichtige Informationen veröffentlichen wir gar nicht.

6. Erfahrung: Die Person tritt zurück?

Im Social Web sind veröffentlichte Inhalte einer Person zuzuordnen oder nicht. Viele Personen verstecken sich unter dem Label „Abendgymnasium XY“. Wie ist das am Abendgymnasium Wien? Dort sind alle Beiträge auf der Homepage mit den Namen jener Person gekennzeichnet, die sie veröffentlichen. Das ist wichtig, weil es Verantwortung zeigt.

Auf Facebook und Twitter und Instagram sind meist keine Personen angegeben. Man kann aber als Person kommentieren. Das möchte gut überlegt sein. Einige Lehrer:innen sind zu vorsichtig, und posten lieber nichts, andere machen klassische Anfänger-Fehler, die man aber halt machen muss, um daraus zu lernen. Es schade nicht, wenn man eine Person zur Hand hat, die da ein wenig mitliest und mitdenkt.

Im (Social)-Web ist es also erstmals möglich, dass Lehrer:innen und Schulleiter:innen Informationen unter ihrem Namen posten. Obwohl hier der Name und manchmal auch das Gesicht ganz vorne steht, könnte das jede:r machen – es geht hier nicht um ein „in den Vordergrund stellen“, sondern als Mitglied der Schule Interessantes zu erzählen. Vorschlag: Mehr davon. Wer etwas Schönes zeigen will, nur zu. Es geht nicht um die Person, es geht um den Inhalt. Wenn viele Personen Beiträge veröffentlicht, wird auch der Impact einer Person verdünnt, die vielleicht einen etwas „speziellen“ Stil hat.

Beispiel: Klimawandel – Plastiksackerl. Video für Facebook und Schulhomepage. Das Thema wurde im Unterricht besprochen.

https://www.youtube.com/watch?v=o7lC2OGmLik

7.  So viel Arbeit: Wer hat Zugang?

Die Erfahrungen zeigen, dass PR-Verantwortliche an der Schule unter der Last der Arbeit stöhnen. Das muss nicht sein, seit es Redaktionssysteme und Homepage-Logins für viele Menschen gibt. Wir schauen uns das mal näher an.

Alle Abendgymnasien haben eine Homepage. Das dürfen wir als Standard voraussetzen. Einige haben eine Facebookseite, viele einen Instagram-Account, wenige einen Twitter-Account. Während beim Jahresbericht und der klassischen Öffentlichkeitsarbeit die Zuständigkeit innerhalb der Schule klar waren, sind bei den elektronischen Plattformen die Dinge im hohen Maße neu. Am einfachsten war die Übertragung der Schreibrechte vom Schaukasten/Jahresbericht auf die Homepage. Die Inhalte können nach wie vor von wenigen Personen verwaltet werden. Schwieriger ist, Facebook/Instagram und Twitter zu verwalten. Es kommen viele Fragen, Kommentare, und jede:r, die:der sich berufen fühlt, kann für die Schule sprechen. Das ist auch jede Menge Arbeit.

Erfahrung aus dem Wiener Abendgymnasium: Jede:r Lehrer:in hat einen Zugang zur Homepage: http://wien.abendgymnasium.at Es gilt die Doktrin: „Die:der, bei der:dem die Informationen anfallen, veröffentlicht sie durch einen neuen Beitrag.“ Das fällt einigen leichter, als anderen, die sich immer wieder mit „gib das bitte auf die Homepage“ an den Verantwortlichen wenden. Wichtig ist dann immer, den Ball zurückzuspielen. Was nicht immer gelingt aber mit dem Angebot, beim Beitragerstellen zu helfen, meist möglich ist. Im Laufe der letzten 8 Jahre wurden am Wiener Abendgymnasium rund 2000 Beiträge veröffentlicht, 1000 davon vom Homepage-Verantwortlichen, dann von weiteren Lehrer:innen 150, 88, 80, 48, 44, 33, 16, und weniger Beiträge. Zumindest Projekttagsangebote und Wahlfachangebote solltenvon jeder:jedem selbst gepostet worden sein. Fehler können von mehreren Personen mit Admin-Status korrigiert werden. Tippfehler ohne Rücksprache, inhaltliche Änderungen nach Rücksprache mit der:dem Autor:in. Die Erfahrung zeigt, dass bei größeren Problemen sehr viele Leute mitlesen und sich rasch melden, wenn etwas gepostet wird, was man überdenken sollte. Schwierig ist für einige Lehrer:innen, die Außenwirksamkeit der Posts passend einzuschätzen. Das kann aber meist rasch geklärt/verbessert werden. — Wird etwas veröffentlicht, was aus einem außerschulischen Kontext kommt, muss immer ein Bezug zur Schule hergestellt werden. Und ja, es kommt auch zu Konflikten. Wer kann andere Beiträge bei Problemen auf „hold“ in den Hintergrund schalten. Die Vorteile überwiegen.

Aus Köln schreibt Kai Roos: „Sehr positiv sind die Rückmeldungen zu den „Erfolgsgeschichten“ auf unserer Homepage. Dort stellen unsere aktuellen AbiturientInnen jeweils kurz ihre Erfahrung mit der Schule, ihren Bildungsweg und einen Ratschlag für neue Schüler vor. In den sozialen Medien sind oft die spontanen Schnappschüsse und Momentaufnahmen beliebt, die einen Einblick in den Alltag an der Schule geben.“

Aus Linz schreibt Marion Lasinger: „Ich poste Bilder aus dem Schulgebäude: neue Ganggestaltung, Impressionen von einem Fest, aber immer ohne Personen. Manchmal poste ich Kurioses wie Rechtschreibfehler im öffentlichen Raum. In den Kommentaren hat sich mal ein Absolvent positiv geäußert, einige Schüler haben die Seite entdeckt, ich hab sie aber nie beworben. Sie hatten sich gefragt, wer dahintersteckt. Im Grunde weiß ich nicht, was gepostet werden soll/darf. Den Punschstand vor der Feier zu posten, war mir zu gefährlich. Ich würde mir wünschen, dass Kollegen mir passende Bilder schicken, da ich eh schon so viele Funktionen habe. Ich like sehr zielgerichtet z.B. die Jugendservicestelle, die Konditorei von nebenan, das Rote Kreuz und Einrichtungen, die so auf uns aufmerksam werden könnten. Ich like ehemalige Schüler wie z.B. einen Opernsänger. Aufpassen muss man, was man abonniert. Ich hab das Bundeskanzleramt, den Bundespräsidenten dabei, diverse Theater.“

Aus Klagenfurt schreibt Anneliese Theuermann: „PR auf Facebook, Twitter oder Instagram wird derzeit noch nicht betrieben, ist jedoch in der Planungsphase. Diese Medien müssen immer aktualisiert und auf dem neuesten Stand gehalten werden, das ist für ein eher kleineres Schulteam zeitintensiv, daher dauert die Phase der Ideenfindung bzw. die Überlegungen, wer welche Rolle übernehmen kann, noch an und wir hoffen, bald die für uns passende Lösung erarbeitet zu haben.“

8. Ein Blick zu Instagram

Bilder, Bilder, Bilder. Schaut Euch das an: Abendgymnasium GöttingenAbendgymnasium Graz | Abendgymnasium Köln | Abendgymnasium LeipzigAbendgymnasium Linz | Abendgymnasium OstwürrtembergAbendgymnasium Salzburg | Abendgymnasium Schwarzwald-Baar-Heuberg |  Abendgymnasium Stuttgart | nicht autorisierter Account „Beichtstuhl Abendgymnasium Wien“ | Abendgymnasium Wiesbaden | TAG #Abendgymnasium

9. Resumé: Thesen zu digitaler Öffentlichkeitsarbeit und Social Media von Schulen / Abendschulen

Krasse These 1. Öffentlichkeitsarbeit ist eine Haltung und keine Arbeit. Wer gewöhnt ist, darüber zu erzählen, was sie:er tut, empfindet es nicht als Zusatzaufgabe, die anstrengend ist.

Kai Roos (Abendgymnasium Köln): „Meiner Meinung nach funktionieren solche Dinge nur „bottom up“, also nicht von oben geplant oder verordnet. Es müssen sich KollegInnen finden, die Spaß am Experimentieren und Kommunizieren haben.“

Krasse These 2: Öffentlichkeitsarbeit wird von allen gemacht. Sie wandelt sich von einer Position/Rolle zu einer Aufgabe, die vom Team der Schule bespielt wird. Das ist nicht leicht, weil Selbstvertrauen mit der Erfahrung kommt, und ohne Selbstvertrauen keine Erfahrungen gemacht werden können.

Krasse These 3: Kommunikation nach außen richtet sich immer auch nach innen. Die Trennung muss nicht immer unter allen Umständen aufrecht erhalten werden. Am Wiener Abendgymnasium versuchen wir möglichst viele Beiträge, die sich an Lehrer:innen richten, so zu halten, dass sie sich nicht hinter der Login-Schranke befinden, sondern für jede:n zugänglich sind. Es entsteht in Summe ein Bilder der Schule nach außen und nach innen. Insbesondere ermöglicht das auch Absolvent:innen und ehemalige Lehrer:innen mit Themen und vor allem auch mit Meta-Themen in Kontakt zu bleiben.

These 4: Schnell und schmutzig ist besser als perfekt und nie. Rechtschreibfehler/Typos sind schnell korrigiert. Beiträge können auf der eigenen Homepage durchaus wieder zurückgezogen werden, auf Facebook gelöscht oder geändert werden. Tweets können nur gelöscht werden. Jede Plattform hat da ihre Eigenheiten. So richtige Shitstorms wurden noch an keiner Schule erlebt. Es wird wohl jede Schule eigene Erfahrungen mit der Dynamik der Inhalte machen – diese Erfahrungen sind Goldes wert.

These 5: Veröffentlichungen wandeln sich zu „Zugänglichmachungen“. Es geht nicht unbedingt darum, dass viele Menschen (Facebook-Accounts) erreicht werden, es geht durchaus darum, Informationen aus dem Schulbereich einfach nur zugänglich zu machen. Das hat der Wiener Bildungsdirektor Heinrich Himmer mit dem youTube Video der „Dienstbesprechung“ schön gezeigt. Link siehe oben.

These 6: Der öffentliche digitale Raum muss auch von Schulen bespielt werden. Wir dürfen die Sozialen Medien nicht jenen überlassen, die stärkende Einrichtungen der Gesellschaft schwächen möchten. Lüge, Fake und Shitstorm? Wir zeigen, dass es besser geht. Es gibt hier auch Bedarf von mündigen Bürger:innen – was über den engeren Kreis unserer Studierenden hinausgeht.

These 7: Es gibt kein Recht auf freie Meinung in Kommentaren auf Schulhomepages und in Facebookkommentaren. Was nicht freundlich formuliert ist, wird gelöscht. Freundliche Kritik kann bleiben. Wir sind Unternehmen mit dem Willen zur guten Außenwirkung. Wer „irgendetwas“ veröffentlichen möchte, muss sich ihre:seine eigene Seite machen.

Kai Roos (Abendgymnasium Köln): „Bisher haben wir eigentlich nur eine „Kommentatorin“ gehabt, die unangenehm auffällt. Da kommen dann seltsame Text ins Postfach. Das ist aber schon das Schlimmste, was in den letzten Jahren passiert ist. Im Gegensatz dazu hatten wir mit drei StalkerInnen jenseits von Facebook zu tun, die uns im „echten“ Leben verfolgt haben und gegen die wir z.T. gerichtlich vorgehen mussten.“

These 8: Wir haben Verantwortung, Vielfalt abzubilden. Das ist mühsam, wenn sich manche Studierende nicht fotografieren oder portraitieren lassen möchten. Erfahrungsgemäß ist das aber immer individuell und nicht gruppenweise problematisch. Bei Schulveranstaltungen (Ausflügen) ist es ratsam unbedingt beim Gruppenfoto darauf hinweisen, dass es auch für das Soziale Web verwendet werden soll – damit kann jemand rechtzeitig aus dem Bild gehen. Beiträge, die auch nur einmal alle Vornamen der Schule zeigen sind durchaus anzudenken. Am Abendgymnasium ist so ein Beitrag derzeit nicht öffentlich zugänglich, weil wir vom Datenschutzbeauftragten noch prüfen lassen, ob das in Ordnung ist. Die Warnung dazu kam von einem kritischen Kollegen.

These 9: Copyrightsachen müssen gelernt werden. Am besten alle Bilder selbst machen, Zitate kennzeichnen. Tipp: https://www.unsplash.com – dort gibt es Bilder, die wirklich frei verwendet werden dürfen. Wie macht man einen Newsletter – und wen darf man als Abonnent raufsetzen, ohne zu fragen? Auch da gibt es ein weites Gelände. (Antwort: niemanden, der es nicht selbst getan hat oder zugestimmt hat; Grauzonen und Ermessensspielräume gibt es innerhalb von Unternehmen; auf jeden Fall muss ein Abmeldelink unten drauf sein).

These 10. Der Goldstandard ist einzuhalten. Impressum, Datenschutzerklärung, Link für die Presse (Schulgeschichte), Links zu anderen Abendgymnasien – das sollte auf der Homepage sein. Nennung des Datenschutzbeauftragten der Schule.

Kai Roos: „Ich halte Facebook durchaus (noch?) für eine sinnvolle Werbeplattform. So können wir dort ohne größeren Aufwand kleine Anzeigen schalten und Werbung ausprobieren, die uns, wie wir es neulich erfahren mussten, in gedruckter Plakatform viel Geld kostet.“

Anneliese Theuermann (Abendgymnasium Klagenfurt) berichtet auch von den klassischen, analogen Mitteln der Öffentlichkeitsarbeit an ihrer Schule: „Informationspinnwände in der Aula und vor dem Konferenzzimmer, Schaukasten vor der Direktion und vor dem Konferenzzimmer, Website / Homepage, Pressearbeit in Form von Inseraten und Zeitungsberichten in den Landes- und Regionalmedien, Jahresbericht an Studierende, Sponsoren und Institutionen, Briefe / Emails an Sponsoren und Institutionen, Werbung auf Movingboards mit Standplätzen an stark befahrenen Einzugsstraßen, vor Kreuzungen, etc., Vernetzungstermine mit diversen Institutionen und anderen Schulen, Mundpropaganda durch Studierende, individualisierte Beantwortung jeder Email, individuelle Grundberatung telefonisch, persönliche Beratungsgespräche, 1 Informationsabend / Semester“

 

10. Zusammenfassende Tipps:

1) Viele Lehrer:innen sollten auf der Homepage posten können. Ohne Rücksprache, aber mit Namen bei den Beiträgen. Das entlastet die Verantwortlichen. Facebook/Instagram/Twitter im Namen der Schule brauchen dann aber Mitarbeiter:innen, die dort sind, die das gerne tun. Es kommen nämlich – wenn alles funktioniert – auch Anfragen, die zeitnah beantwortet werden sollen. Flexibilität ist key.

2) Was Mühe macht, weglassen. Eher an der „Haltung der Zugänglichkeitsmachung“ arbeiten. Wertvolle Erfahrungen sammeln sich so von selbst.

Habt Ihr positive Erfahrungen? Bisher keine Probleme, keine negative Erfahrungen, geringes Feedback. Habt Ihr ein gelungenes Fallbeispiel, oder gerne mehr davon, gelungene Strategien? Reklame, Reklame. Habt Ihr einen Kommentar zu Eurer Arbeit im Sozialen Web? Viel Aufwand, dessen Ergebnis wir noch nicht bewerten können. (Antworten von Peter Sabel, Kolleg Koblenz)

3) Posten, posten, posten. Reden darüber, was man Schönes tut. Einen Podcast einrichten. Für eine bessere Schule. Für eine bessere Welt.


 

Weitere Meldungen aus den Abendgymnasien

  1. Eine Statistik aus dem Abendgymnasium Innsbruck hat Schulleiter Michael Bürkle für das letzte Schuljahr zusammengestellt: Link zur Seite.
  2. Das Abendgymnasium Hamburg am Holstentor ermutigt Studierende, Abwesenheitsmeldung per Web bekanntzugegeben. Über die Erfahrungen mit diesem Tool würden wir gerne berichten. Link zur Seite.
  3. Gymnasien sind in der Schweiz etwas anders aufgestellt. Das würden wir uns gerne näher anschauen. Dazu gibt es vorab einmal ein NZZ-Quiz: „Sind Sie reif fürs Gymnasium?“ Link zum Quiz.

 


Etwas falsch? Etwas vergessen? Bitte ein Mail an lothar.bodingbauer@abendgymnasium.at – ich werde das gerne im nächsten Newsletter ergänzen. Erfolge? Interessante Misserfolge? Immer gerne teilen.

Ein gutes Neues Jahr 2019!
Herzliche Grüße aus Wien. – Lothar Bodingbauer

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